Ich liebe Hamburg! Nach meiner Wahlheimat Köln ist Hamburg ohne Zweifel meine zweite deutsche Lieblingsstadt. Klare Sache also, dass ich beim Haspa Marathon Hamburg 2016 dabei bin! Eins vorweg: Meine Gefühle für die „schönste Stadt der Welt“ wurden an diesem Tag nicht erwidert – auf 42,195 Kilometer hat es mich in Hamburg komplett zerrissen.

Training

Nachdem ich für meinen ersten Marathon in Köln so erfolgreich nach den Plänen von MARQUARDT RUNNING© trainiert habe, kam dieses Mal der schnellere 3:40h-Plan zum Einsatz.  Vom 17. April 16 Wochen rückwärtsgerechnet, hätte ich eigentlich direkt an Neujahr 2016 mit dem Training beginnen müssen. Aus irgendeinem Grund war ich jedoch der festen Überzeugung, dass der Plan nur 12 Wochen geht und es vollkommen ausreicht, wenn ich im Februar nach Karneval mit dem Training beginne. Am Ende fehlten mir dann vier Wochen – halb so wild, oder?

Zum Training ist nicht großartig viel zu sagen. Es lief halt. Jedenfalls bis März, als ich wegen einer Zerrung in der rechten Wade eine einwöchige Pause eingelegt habe. Der Arztbesuch wird von Läufern ja eher gemieden bzw. wir missachten öfter mal unsere Schmerzen. Von daher kann ich nicht ganz genau sagen, was Auslöser des Schmerzes in meinem rechten Unterschenkel war. Den Start beim Haspa Marathon Hamburg abzusagen, kam jedenfalls nicht in Frage.

Moin, Moin, Hamburg!

Ich bin eigentlich kein großer Freund von Lauf-Expos. Normalerweise hole ich meine Startunterlagen ab, gucke mir fix die Stände an und nutze dann den Rest des Tages, um mich auf den Wettkampf vorzubereiten. Da ich von meinen Eltern und einem befreundeten Lauf-Paar begleitet wurde, musste ich mich dem Gruppenzwang jedoch beugen und das Bummeln in Kauf nehmen. Unzählige Verkaufsgespräche später gings dann auch raus in die Stadt.

Wie bereits zu Beginn des Beitrags erwähnt – Hamburg ist wundervoll! Viel haben wir zwar nicht gesehen, aber wenn man an der Binnenalster sitzt, geht einem das Herz auf! Außerdem hätte das Wetter für April nicht besser sein können!

Fun Fact: Hamburg hat mehr Brücken als Amsterdam, Venedig und London zusammen. Wer hätts gedacht?

Laufen wie ein Uhrwerk

Mein Wecker klingelte irgendwann zwischen 5.30 – 6.00 Uhr. Schnell den Kaffee aufgesetzt und einen Haferriegel von OAT KING® gegessen. Sollte reichen. Hat für Köln 2014 schließlich auch gereicht. Die Dinger schmecken nicht nur, sondern halten auch echt lange satt.

Im Startblock wurde es dann wieder Ernst: Hält die Wade? Muss ich nicht doch nochmal aufs Klo? Sollte ich mich doch lieber an einen Pacer halten?

Doch bevor ich noch mehr hinterfragen konnte, fiel auch schon der Startschuss und die kurzen Beine fingen an zu tippeln.

Die ersten fünf Kilometer auf der Reeperbahn vergingen wie im Flug – mit einer 5:18er Pace lag ich zwar unter der anvisierten Zielzeit von 3:40h, aber es waren ja noch 37,195 km zu laufen.

Bis zur Halbmarathon-Marke lief es wie am Schnürchen: Elbchaussee, Fischmarkt, St. Pauli Landungsbrücken, Elbphilharmonie, Hafencity, Speicherstadt und Lambardsbrücke sind die Streckenhighlights der ersten 21,098 Kilometer – die Stimmung auf der Strecke war bis zu dem Zeitpunkt der absolute Hammer! Überall standen Menschen, überall wurde man angefeuert!

Meine Eltern hatte ich gebeten, mich bei Kilometer 15 mit einer Trinkflasche zu versorgen, was wunderbar geklappt hat. Rückblickend aber auch nicht unbedingt die beste Idee.

Meine Splits deuteten bis dahin auf eine Zielzeit von 3:34h hin – ich war auf der ersten Hälfte also mehr als zu schnell!

Das große Leiden

Ab Kilometer 25 musste ich dem hohen Anfangstempo dann aber Tribut zollen. Während wir als Läufer der stimmungsgeladenen Innenstadt den Rücken kehrten und Richtung Norden liefen, wurden meine Beine immer schwerer. Zu allem Überfluss hatte ich mit Magenproblemen zu kämpfen.

Die zweite Hälfte des Marathons glich einem Albtraum. Alles ging schief, was hätte schief gehen können. Von offenen Schuhen, über eine verpasste Getränke-Übergabe bis zu Geh-Pausen – mein zweiter Marathon zeigte mir an diesem Tag meine Grenzen auf.

Meine Zielzeit hatte ich noch nicht abgeschrieben. Als mich das 3:45er Pace-Team überholte, habe ich noch einmal kräftig auf die Zähne gebissen und versucht, mich im Windschatten einzuklinken. Aber es ging einfach gar nichts mehr. Meine Beine krampften. Meine Motivation war schon lange vor mir im Ziel. Mein Magen gab mir den Rest. Ich wollte und konnte einfach nicht mehr.

Und dann türmte er sich vor mir auf. Der Zielbogen. Aufgrund meiner körperlichen Verfassung war ich nichtmal mehr in der Lage, die Stimmung auf der Zielgeraden zu genießen. So sehr sehnte ich mich nach dem Ende dieses Rennens.

Kreidebleich und schmerzverbissen stoppte ich meine Garmin Forerunner bei 03:45:44 – die Zeit war absolut nebensächlich. Meine Erschöpfung muss mir ins Gesicht gestanden haben, denn im Ziel fragten mich gleich mehrere Mitläufer, ob es mir gut ginge. Bevor mich also noch mehr Leute ansprechen konnten, nahm ich meine Medaille und ging zur Fressmeile/Gepäckrückgabe, wo ich mich mit einer Banane bewaffnet auf den Boden lag, um zu Kräften zu kommen. Die Kraft wollte aber nicht wiederkommen. Stattdessen bekam ich einen Krampf im hinteren Oberschenkel, der mich zwang, auf dem Boden liegen zu bleiben. Nach einer gefühlten Ewigkeit musste ich einen anderen Läufer bitten, mir auf die Beine zu helfen. Zum Glück konnte jeder meine missliche Lage verstehen!

Das Umziehen und Rausschlurfen hat extrem lange gedauert; So lange, dass mein Laufpartner – der nebenbei bemerkt noch so ausgesehen hat, als könnte er dieselbe Distanz ein weiteres Mal laufen – und meine Familie bereits vor dem Ausgang auf mich warteten. Die Worte meines Vaters klingen mir noch immer in den Ohren: „Ich bin stolz auf dich – du siehst aber gar nicht gut aus!“

The art of learning

Für das obligatorische Refueling sind wir schnurstracks in ein amerikanisches Steakhouse marschiert. Mir ging es aber so schlecht, dass ich keinen Bissen feste Nahrung herunterbekommen habe. Erst als wir wieder in unserer Ferienwohnung angekommen waren, hatte sich mein Magen beruhigt – dann war auch das wohlverdiente alkoholfreie Weizen drin.

Als ich am Abend in meinem Bett lag, ließ ich den ganzen Wettkampf nochmal Revue passieren:

Gegenüber meinem ersten Marathon hatte ich meine persönliche Bestzeit um zehn Minuten verbessert. No big deal – beim Marathon sind Verbesserungen von 15 Minuten keine Seltenheit. Ein bisschen stolz auf einen Marathon-Finish ist man ja immer. Aber prozentual gesehen, sah meine Stimmung folgendermaßen aus:

Was war passiert? Hatte ich nicht gut genug trainiert? War das Frühstück schuld? War meine Verpflegung während des Marathons nicht gut? Habe ich einfach einen schlechten Tag erwischt?

Als Mensch, der gerne aus Fehlern lernt, war es mir enorm wichtig zu verstehen, warum ich schon so früh gegen die Wand gelaufen bin:

  1. Falsche Ernährungsstragie
    Während des Rennens hatte ich zwei 0,5 Liter Flaschen mit Elektrolyten. An jeder Verpflegungsstelle habe ich ein Stückchen Banane gegessen. Ernährungstechnisch gesehen, war die Verpflegung zu zuckrig, so dass die gesamte Energie (die ja eigentlich fürs Laufen benötigt wird) für das Zersetzen meiner aufgenommenen Nahrungsmittel verbraucht wurde. Den Todesstoß haben mir dann die Cola und die Red-Bull-Apfelsaft-Schorle gegeben.
  2. Falsche Wettkampf-Strategie
    Die erste Hälfte des Marathons bin ich viel zu schnell unterwegs gewesen. Dadurch haben mir zum Ende hinaus die Körner gefehlt. Mit besserem Training hätte man dem Hammer-Mann durchaus erst später begegnen können. Zukünftig werde ich die ersten Kilometer langsam angehen lassen und zum „Einlaufen“ nutzen.
  3. Falsches Training
    Für einen Marathon reichen ohne Probleme auch zwölf Wochen. Wenn man aber in diesen zwölf Wochen versucht, die verpassten vier Wochen des eigentlichen Trainingplans wettzumachen, befindet man sich schnell im Übertraining. Übertraining führt zu Verletzungsanfälligkeit. Verletzungen führen zu Zwangspausen. Zwangspausen sind schlecht fürs Training. Es ist enorm wichtig zu verstehen, dass kurze Pausen das Training nicht sonderlich beeinflussen.

Dank des Haspa Marathons Hamburg habe ich wieder Ehrfurcht vor der Distanz bekommen und gelernt, sich seine Wettkämpfe nicht nur läuferisch, sondern auch ernährungstechnisch einzuteilen. Da ich keinen professionellen Pacer oder einen Trainer an meiner Seite hatte, musste ich diese Erkenntnis auf die harte Tour erlangen.

Insgesamt gehört der Haspa Marathon Hamburg sicherlich zu den stimmungsvollsten und schönsten Wettkämpfen im deutschen Raum – es war bestimmt nicht das letzte Mal, dass ich in Hamburg einen Marathon gelaufen bin!

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