Ich kann beim besten Willen nicht sagen, was mich dazu geritten hat, mich für den RheinEnergieMarathon Köln 2014 anzumelden. Nur fünf Monate nach meinem allerersten Halbmarathon sollte ich jetzt also die Königsdisziplin laufen?

Training

Für mein Marathon-Debüt habe ich mir den Sub-4h-Plan von MARQUARDT-RUNNING® ausgeguckt. Ich hatte schon viel über Marquardt gelesen und seine Pläne schienen mir gut durchdacht aus. Zumindest, was den Vergleich mit anderen Websites angeht, wo der Umfang plötzlich drastisch gesteigert wird.Eine Woche nach dem VIVAWEST Halbmarathon in Gelsenkirchen habe ich also mit dem 16-Wochen Trainingsplan begonnen.

Bislang bin ich ausschließlich mit mein Handy und meiner Nike+ App gelaufen. Von den gesammelten Daten (Zeit, Distanz, Pace) war ich bereits fasziniert, aber da der Trainingsplan von Marquardt Nach Herzfrequenz gelaufen wurde, musste also fix eine Pulsuhr her. Kurzerhand habe ich mir dann die Polar RS100 angeschafft. Vom Polar OwnCal® über Polar OwnZone® bis hin zu Polar OwnCode® hatte die Uhr Funktionen, von denen ich nichtmal wusste, was sie tun geschweige denn, für was sie gut sind.Die HF-basierten Trainingszonen mit visuellem und akustischem Alarm war ohnehin die Funktion, die mich am meisten interessiert hat.

Anhand der Milchmädchen-Rechnung haben ich fix mein HFmax bestimmt und war ab dem Zeitpunkt ready to go!Wenn ich jetzt nur noch wüsste, was dieses ganze Lauf-Abc und die Kollegen GA1, GA2 und WSA sind, wäre ich ein ganzes Stück weiter.

Wer hätte gedacht, dass man sich nur aufgrund eines Trainingsplans so tief mit der Lauf-Materie beschäftigen muss?

Das Training lief weitestgehend unspektakulär. Die Wichtigkeit von Kraft-, Koordinations- und Stabilisationstraining war mir zu dem Zeitpunkt nicht bewusst. Natürlich hat auch das Lauf-Abc darunter gelitten. Okay, auch das Alternativ-Training. Aber meine Laufeinheiten habe ich alle gemäß Plan durchgezogen. Ja, selbst das Bahntraining habe ich absolviert. Da mir keine Laufbahn in meiner Nähe bekannt war, habe ich mir einfach eine 400 Meter Strecke ausgesucht und bin die entsprechend häufig runtergebrettert.

Nach circa 13 Wochen dann der große Schock: Egal, wie schnell oder langsam, wie weit oder kurz ich gelaufen bin. Meine gesamtes rechtes Bein verweigerte nach wenigen Kilometern den Dienst. Da half auch kein Dehnen. Da half nur der Weg zum Orthopäden. Die Wurzel allen Übels war mein Rücken. Der Nervenkanal wurde von zwei Wirbeln abgeklemmt, weshalb mein rechtes Bein nicht mehr ordentlich versorgt wurde – 6x manuelle Therapie, um mich wieder fit zu kriegen.

Die ersten Behandlungen beim Physio waren die Hölle. Ich konnte danach kaum laufen. Aber tatsächlich hat es mein Physio geschafft mich für den Marathon wieder fit zu kriegen. So konnte ich dann gelassen an den Start gehen.

Race Day

Mein Frühstück bestand aus einem OAT KING® Big Tasty Chocolate, den ich tags zuvor auf der Lauf-Expo gekauft hatte. Vielleicht war es die Aufregung, vielleicht war es tatsächlich der Big Tasty Chocolate – aber nach dem Haferriegel war ich erstmal pappsatt.

Das Schöne an solchen Großveranstaltungen sind ja die Gemüter der Mitläufer: Während einige gedankenversunken und mit großen Kopfhörern in der Bahn sitzen und sich mental auf das Rennen vorbereiten, ist der Großteil der Läufer ausgelassen und bereits am frühen Morgen gut gelaunt.

Am Deutzer Bahnhof traf ich meine Familie und zwei weitere Mitläufer, die bereits früh morgens nach Köln gereist waren.Nach einer kurzen Begrüßung und dem obligatorischen Toilettengang machten wir uns auf den Weg in den Startblock, wo ich mich warm lief und Oberschenkel und Waden dehnte.

Ich hatte einen riesen Respekt vor der Distanz und von Renneinteilung, genaues Pacen und dem ganzen anderen Zeugs keine Ahnung, weshalb ich mich zu den Sub-4h-Pacern gesellte.Während ich in der letzten halben Stunde kein Ton aus mir rausbekam, quasselte meine Gruppe munter darüber, wie viele Marathons man den schon gefinisht hat.

Und dann war es soweit. Der Startschuss fiel und wir rückten immer weiter vor. Laufen. Gehen. Laufen. Gehen.Meine größte Sorge war das GPS-Signal meines Handys und natürlich das sekundengenaue Starten der Nike+ App. Während alle Leute um mich herum ihre Laufuhren starteten, musste ich auf mein Handy und einer App vertrauen.Noch bevor ich mich versah, liefen wir schon in Richtung linke Rheinseite.

Gruppenfoto beim RheinEnergieMarathon Köln 2014
Gruppenfoto kurz vor meinem ersten Marathon.

Schüler-Slalom

Gefühlt waren wir so schnell unterwegs, dass ich Bedenken hatte, dieses Tempo auch nur ansatzweise für 42,195 Kilometer mithalten zu können. Ich hatte nichtmal die Gelegenheit den fantastischen Blick auf die Kölner Skyline zu werfen – ich befand mich im absoluten Tunnel.

Die ersten Kilometer vergingen wie im Flug. Leider hatte die Rennleitung die Schulstaffel vor unserem Block starten lassen, weshalb wir auf der Strecke immer wieder gehende Kids oder Kids in Viererreihen überholen mussten. Dadurch bin ich immer mal wieder von meiner Gruppe getrennt worden und musste die fehlenden Meter dann mit erhöhtem Tempo wieder wett machen.Als Kölner durch „seine“ Stadt zu laufen, ist immer etwas ganz besonderes. Man kennt die Straßen, man kennt die Gegenden. Teilweise lief ich Teile der Strecke bereits im Training. Das beste sind aber die eigenen Freunde, die einen schon auf 10 Kilometern zweimal anfeuern konnten!Ob es nun meine Freunde waren, die mich anfeuerten oder die Tatsache, dass ich gerade dabei bin einen Marathon zu laufen, kann ich nicht genau sagen – ich musste mir auf dem ersten Viertel der Strecke jedoch ein paar Freudentränen verkneifen!

Sportlich gesehen, hätten die ersten 10 Kilometer sicherlich nicht besser verlaufen können: Trotz der kurzen Zwischensprints fühlte ich mich sehr gut – ich bin schon sehr früh ins Rollen gekommen.

Der Wolf verlässt das Rudel

Die nächsten elf Kilometer gingen durch den Südwesten der Stadt. In Sülz herrscht eine bombastische Stimmung: Leute sitzen mit Bierzelt-Garnitur am Straßenrand, frühstücken und feuern die Läufer an. Man hat so viel zu gucken, dass man gar nicht merkt, wie schnell die Zeit vergeht.

So näherte ich mich dann auch rasch der Halbmarathon-Marke. Mit einer Durchgangszeit von 1:56:19 hatte ich in etwa das Tempo drauf, was ich vier Monate zuvor in Gelsenkirchen gelaufen war.

Es lief sogar so rund, dass ich der Pacer-Gruppe enteilt war und nun voll und ganz auf mich allein gestellt war.Gut. Zwischenzeitlich hatte mich Uli aus dem Sportverein meiner Eltern eingeholt (trotz Starts weiter hinten). Er gab mir dann noch den Tip, dass ich mich auf der Strecke auf jeden Fall mit ein paar Bananen verpflegen sollte. Gesagt getan.Ich weiß nicht, wie ihr das seht, aber Bananen beim Laufen schmecken mir immer besonders. Ob es nun etwas bringt oder nicht, sei mal dahingestellt. Da is(s)t ja jeder Läufer sowieso anders.

Wasser statt Kölsch

Egal, durch welchen Stadtteil man lief. Überall sah man Leute draußen Frühstücken und Leute anfeuern.Nach der HM-Marke hätte ich mir gerne eine Stulle für unterwegs schmieren lassen, aber darauf – und auf das mir angebotene Kölsch – habe ich sinnvollerweise verzichtet.

Über diesen Teilabschnitt kann ich leider gar nicht so viel erzählen. Meine Füße trugen mich wie von selbst. Konditionell und krafttechnisch war noch alles im grünen Bereich. Der Mann mit dem Hammer wäre jetzt sicherlich zu früh gekommen, aber bei seinem ersten Marathon weiß man ja nicht, was einen erwartet.

Ich bin Marathoni

Ich kann mir vorstellen, dass jeder Marathon seine einsamen Streckenabschnitte hat. In Köln fängt dieser Abschnitt bei Kilometer 31/32 an. Im Hafengebiet von Niehl läuft man durch ein Industriegebiet. Zwar findet man hier auch noch vereinzelt Leute, die einen anfeuern, aber den Charme der anderen Stadtteile hat der Kölner Norden nicht.

Ab Kilometer 34 hatte ich auch noch mit mir selbst zu kämpfen.Kondition war noch reichlich da. Die Beine waren auch nicht schwer. Mein Kopf war es, der mir Probleme bereitete.Ich wollte einfach nicht mehr Laufen.Am nördlichsten Punkt der Strecke wird gewendet und in entgegengesetzter Richtung zurück gelaufen.Das bedeutet, man läuft erstmal fünf Kilometer stumpf geradeaus. Die Leute, die einem auf diesem Teil der Strecke anfeuern, habe ich gar nicht mehr richtig wahrgenommen.Gerade als ich mir gedacht habe „Komm Robin, jetzt ein bisschen Tempo machen und du hast es schneller hinter dir“, sprach mich ein Mitläufern an. Er habe bereits einige Marathons gefinisht, wegen eines Unfalls aber lange Zeit nicht mehr laufen können. Dies sei sein erster Marathon nach langer Zeit.Ich erzählte ihm von meinem Plan das Tempo nochmal anzuziehen.Er riet mir davon ab: „Die paar Minuten machen den Kohl jetzt auch nicht mehr fett. Wenn du jetzt das Tempo anziehst, geb ich dir Brief und Siegel darauf, dass dir auf den letzten zwei Kilometern die Körner fehlen!“Klingt plausibel. Mein Verstand wollte mir offensichtlich einen Streich spielen!

Den guten Mann habe ich dann an einer Getränkestation aus den Augen verloren.Da meine Eltern sich an Kilometer 15 und 27 positioniert und mich mit meinem Elektrolyt-Getränk versorgt hatten, konnte ich das Gedrängel an den Verpflegungsstationen meiden.Die Station am Ende der 30er hatte ich aber vorsichtshalber mitgenommen.Auf der Website von Herbert Steffny hatte ich gelesen, dass Cola zu Ende hin nochmal für den nötigen Energieschub sorgt.Auf der Website von Herbert Steffny hatte ich auch gelesen, dass man während seiner Trainingsläufe testen sollte, was der Magen verträgt.

Ich bin das Risiko eingegangen, bezweifle aber sehr stark, dass auch nur ein einzelner Tropfen des Koffeingetränks in meinem Magen gelandet ist. Während andere Leute beim Trinken gehen, habe ich im vollem Lauf versucht meine Cola zu trinken.Den Rest des Marathons durfte ich dann mit klebrigem Gesicht und noch klebrigereren Händen laufen.

Was mir die Cola nicht geben konnte, haben mir die Zuschauer gegeben: Ab Kilometer 40 läuft man am Ring entlang Richtung Rudolfplatz. Hier sind so viele Leute, die einen anfeuern – man muss hier einfach Energie tanken!

Die letzten zwei Kilometer bin ich im absoluten Rausch gelaufen. Als mir dann bewusst wurde, dass ich mich auf der Zielgraden befinde und nur wenige Meter davon entfernt bin, ein offizieller Marathoni genannt zu werden, kam auch das Lächeln zurück in mein Gesicht.

Mit einer Zeit von 3:54:40 lief ich über die Ziellinie am Dom. Das Gefühl, seinen ersten Marathon, seine ersten 42,195 Kilometer gelaufen zu sein, ist unbeschreiblich. Voller Stolz habe ich mir meine Medaille um den Hals gehängt und mich in die Fressmeile bewegt.

Post Race

Die meisten Leute können nach einem Rennen scheinbar alles zu sich nehmen, was man in der Fressmeile findet. Ich gehöre leider nicht zu den Glücklichen – mein Refueling bestand aus etwas Obst und viel ein, zwei alkoholfreie Weizen.

Dementsprechend habe ich das Getummel hungriger Menschen auch schnell wieder verlassen. Am Ausgang wartete dann auch schon der Support-Club: Einen großen Dank an meine Kumpels, die mich während des Marathons an verschiedenen Stellen zur Höchstleistung motiviert haben und natürlich auch an meine Eltern, die das Anreichen des eigenen Sportgetränks professionalisiert haben.

Nach dem wohlverdienten Kölsch in geselliger Vereins-Runde bin dann auch ich endlich nach Hause gegangen, um die notwendige Regenerationsphase einzuleiten.

Die Eindrücke meines ersten Marathons hätten nicht besser sein können: Die Atmosphäre, die Stimmung, der Support – all das hat mich durch das Rennen getragen. Von dem verspannten rechten Bein war während des Laufs gar nichts zu spüren, weshalb ich mit meiner Zielzeit mehr als zufrieden bin. Mit dem entsprechenden Training lässt sich meine Bestleistung auf alle Fälle noch nach unten korrigieren – das nächste Ziel sind die 3:45h. Man soll ja tief stapeln.



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