Bei Deutschands schwersten innerstädtischen Berglauf kämpfen verschiedene Hochschulteams aus NRW um den Gesamtsieg beim NRW-UniLauf-Cup.
Die hügelige Strecke des Kölner Bank UniLauf stellt die meisten Läufer vor eine echte Herausforderung. Insbesondere, wenn es am Race Day 34 Grad warm ist.

Kölner Bank UniLauf 2017

Köln ist flach: Der RheinEnergieMarathon in Köln hat ein Höhenprofil von max 60m. Gerade deshalb sind wir Kölner wahrscheinlich stolz auf unseren Monte Troodelöh im Königsforst. Mit 118m über Normalhöhenull ist er die höchste Erhebung der Stadt.

Aber dann gibt es da noch die Hügellandschaft am Aachener Weiher. Entstanden sind die Hügel nicht auf natürliche, sondern auf künstliche Art. Und das nur ungewollt. Denn bei der Zerstörung der Stadt Köln im Zweiten Weltkrieg sind um die 30 Millionen Kubikmeter Schutt angefallen. Die Trümmer wurden dahin gebracht, wo Platz war. Und damit wurde die Hügellandschaft zwischen der Universität und dem Aachener Weiher erschaffen.

Warum schreibe ich das? Weil die Strecke des Kölner Bank UniLaufs genau über eben diese Hügellandschaft mit dem ungewohnt hohem Streckenprofil führt. Das macht den Lauf zu „Deutschands schwersten innerstädtischen Berglauf“!

Beim Lauf werden mehrere Distanzen für alle Leistungsklassen angeboten:

  • 5 KM FUN-Run
    Beim 5 Kilometer Lauf steht der Spaß an erster Stelle. Er richtet sich an Hobby- und Gelegenheits-Läufer, die erste Erfahrungen bei einer Laufveranstaltung sammeln wollen.
    Dabei geht es auf zwei 2,5 KM lange Runde um den Aachener Weiher und seine Hügel.
  • 10 KM TOP-Run
    Wer sich für den TOP-Run anmeldet, muss die 10 Kilometer unter 50 Minuten laufen. Kann sich aber hier mit Gleichgesinnten messen. Außerdem ist der TOP-Run Bestandteil des NRW-UniLauf-Cups, bei dem verschiedene Hochschulteams aus NRW gegeneinander antreten.
    Bei dem 10 KM Kurs geht es logischerweise gleich vier mal um den Aachener Weiher.
  • 10 KM FITNESS-Run
    Der 10 KM FITNESS-Run ist ideal, um sich an längere Distanzen heranzutasten. Zielschluss für die 10 Kilometer sind 90 Minuten.
    Auch hier gehts vier Mal um den Aachener Weiher.
  • Ultimate Challenge
    Die Ultimate Challenge ist eine Sonderwertung, bei der die Läufer alle oben genannten Distanzen zurücklegen müssen. Die Zeiten werden addiert und der Sieger zum „King“ bzw. „Queen of the Weiher“ gekürt.

„Deutschlands schwerster innerstädtische Berglauf“ bietet – wie sollte es auch anders sein – eine Bergwertung: Wer den ersten Hügel während der ersten Runde am schnellsten bewältigt, wird mit dem gepunkteten Trikot ausgezeichnet. Wie bei der Tour de France eben!

Ein Lauf in vier Akten

Da der Kölner Bank UniLauf stets im Juni veranstaltet wird, müssen die Läufer mit extremen Temperaturen rechnen. So auch an diesem Mittwoch. Die Sonne knallte mit knapp 34 Grad auf den Aachener Weiher. Da meine letzten Läufe bei dieser Hitze extrem schlecht verliefen, machte ich mir ernsthaft Sorgen, die Vorgabe des TOP-Runs – unter 50 Minuten im Ziel zu sein – zu schaffen.

Um 17 Uhr traf ich mich mit meinen Mitläufern vom Run Squad CGN – insgesamt stellten wir acht Läufer. Darüber hinaus auch eine über zehn Mann starke Cheering Group!
Zu Beginn waren wir alle noch guter Dinge, aber beim Einlaufen merkten wir schnell, dass es heute eine ziemliche Herausforderung wird.

Über eine Race Strategy machte ich mir vorab keine Gedanken. Der Kölner Bank UniLauf war einer meiner ersten 10 KM Rennen seit langer Zeit. Kurzerhand beschloss ich, mein angestrebtes Marathon-Tempo zu laufen: 4:37 km/min. Eine Bestzeit mit den Hügeln war sowieso nicht drin.

Am Start ging das Gedrängel schon gut zur Sache. Noch schlimmer war die Pace mit der meine Mitläufern vom Squad starteten.
Ich wusste, dass ich das Tempo nicht halten konnte, hatte aber auch Probleme, mein Tempo zu drosseln.

Akt 1

Eigentlich habe ich keine Probleme mit Hitze. Eigentlich habe ich auch keine Probleme mit leichten Anstiegen. Im Gegenteil. Ich laufe lieber bei extremer Hitze als bei extremer Kälte. Und bei Anstiegen sammel ich die schnelleren Läufer gerne ein.
Heute war es nicht ganz so einfach. Der erste Anstieg fühlte sich dank hohem Tempo und noch höheren Temperaturen an wie die Besteigung des Mount Everest. Aber auch beim Abstieg konnte ich kaum das Tempo drosseln; die anderen Läufern zogen mich mit.

Auf der flachen Strecke bis zum zweiten Anstieg konnte man wieder etwas zu Kräften kommen. Im Gegensatz zum ersten Hügel, war der zweite Anstieg nicht ganz so schlimm. Er war zwar länger, aber dafür teilweise mit flachen Abschnitten. Kurz nach dem Abstieg positionierte sich die Cheering Crew, die mich auf die letzten 1,5 Kilometer der ersten Runde nochmal anpeitschten.

Kurz vor der „Zielgeraden“ und dem ersten Anstieg hatte der Veranstalter Wassersprinkler installiert. Nette Idee, die kurzweilig für eine Abkühlung sorgte. Vor dem ersten Hügel wurde auch Wasser gereicht: Ein Schluck gegen den trockenen Mund, der Rest ging über den Nacken.

Also alles nochmal von vorne…
Immerhin nur noch drei Runden.

Cheer-Zone | Kölner Bank UniLauf 2017
Cheer-Zone | Kölner Bank UniLauf 2017

Akt 2

Wieder war es der erste Anstieg, der mich an meine Grenzen brachte. Aber die Temperaturen und die Hügel waren Dinge, die auch die Laufleistung der anderen Mitstreiter beeinflussten.

Es ist faszinierend, wie das menschliche Gehirn mit solchen Situationen umgeht: Nachdem der ersten Anstieg geschafft war, schüttete ich Glückshormone aus, weil ich diesen Anstieg nur noch zwei Mal hinter mir lassen musste.

Auf dem flachen Teil der Strecke wurde die Kraft wieder gesammelt, um dann „erholt“ den nächsten Anstieg zu erklimmen.

Während man beim ersten Anstieg kaum angefeuert wurde,  peitschte eine Samba-Truppe und ein Mann mit einem Alphorn die Läufer beim zweiten Anstieg an. Tja, die Kölner haben immerhin ein bisschen Humor.

Oben angekommen, gings auch sofort wieder runter in die Run Squad CGN Cheering-Zone. Schnell das Foto-Lächeln aufgesetzt und die letzten 1,5 KM der Runde in Angriff genommen.

Akt 3

Was soll ich sagen?
Meine Gedanken kreisten nur darum, endlich auf die letzte Runde geschickt zu werden. Daher sagte ich mir: „Nur noch dieses eine Mal, dann bist du schon auf der letzten Runde!“

Je schwächer man wird, desto kleinschrittiger denkt man.

Also wieder den ersten Anstieg hoch.
Wieder runter.
Der flache „Erholungs“-Abschnitt.
Der zweite Anstieg.
Samba-Gruppe. Mann mit Alphorn.
Abstieg.
Foto in der Cheering-Zone.
Die letzten 1,5 KM der 3. Runde.

Cheer-Zone | Kölner Bank UniLauf 2017
Der Schein trügt: Viel zu lachen hatte ich eigentlich nicht, denn der Rundkurs des Kölner Bank UniLaufs war anspruchsvoll.

Akt 4

Ich hatte wirklich kurz überlegt, ob ich in der letzten Runde mein Tempo nochmal anziehen kann.
Aufgrund der Temperaturen habe ich mich jedoch dagegen entschieden, es zu probieren. Bei meinem ersten Marathon in Köln hatte ich den Tipp bekommen, dass Tempo nicht zu erhöhen. Bevor man verkrampft und gar nicht über die Ziellinie läuft, sollte man lieber die Zielzeit akzeptieren.
Mit diesem Tipp bin ich immer gut gefahren!

Den ersten Anstieg bin ich sehr euphorisch angegangen. Wohlwissend, dass ich durch diese Hölle das letzte mal laufen muss. Der zweite Anstieg wurde ebenso auf die leichte Schulter genommen. Und oben auf der Spitze wusste ich: Jetzt ist alles vorbei.
Ein letztes Mal ging es in die Run Squad CGN Cheer-Zone. Ein letztes Mal wurde aus dem verzerrten Gesicht ein Lächeln. Ein letztes Mal ging es auf die restlichen 1,5 KM.

Auf den letzten 200 Metern konnte ich dann doch nicht mehr ganz ohne Erhöhung des Tempos. Meine Uhr zeigte zwischenzeitlich etwas unter 3:55 min/km an.

Völlig erschöpft war ich in 44:20 Minuten im Ziel.

Cheer-Zone | Kölner Bank UniLauf 2017
In der letzten Runde war die Freude dann nicht gespielt. Bei der Hitzeschlacht war ich froh nur noch ein paar Meter laufen zu müssen.

Mit Vorsicht zu genießen

Der Aachener Weiher bietet sich extrem gut dafür an, dort auch noch nach dem Rennen zu entspannen. Und da wir ja mit knapp 15 Mann vom Run Squad CGN am Weiher waren, haben wir aus dem gesamten Kölner Bank UniLauf ein kleines Team-Event gemacht. Erst wurde gelaufen, dann wurde gegrillt. Entsprechend lange sind wir noch auf der Grünfläche geblieben.

Den Kölner Bank UniLauf kann ich unter gewissen Umständen weiter empfehlen: Wer keine Probleme mit 4x 2,5 KM Runden hat, der steht beim UniLauf vor einer hügeligen Herausforderung.
Aufgrund des Termins wird es wohl auch 2018 extrem warm. Vorausgesetzt, unser deutscher Sommer spielt mit.

Ich persönlich muss im nächsten Jahr nicht nochmal dabei sein. Dafür ist mir die Strecke zu monoton. Die Stimmung könnte auf den flachen Strecken (insbesondere auf den letzten 1,5 KM) durchaus besser sein.
Für Läufer, die mit dem Gedanken spielen, sich für den TOP-Lauf anzumelden:
Unterschätzt die Hügel nicht 🙂

Chill-Zone | Kölner Bank UniLauf 2017


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