Die Schnürung von Laufschuhen wird von vielen Hobbysportlern unterschätzt.

Dabei kannst du den Sitz und den Halt deiner Schuhe mit der richtigen Schnürtechnik nach deinen Vorlieben anpassen.

Wie das geht?

In diesem Artikel stelle ich dir drei verschiedene Schnürtechniken vor.

Inhalt

Zu viel Druck auf dem Spann, ein beklemmendes Gefühl im Mittelfuß oder ein schlechter Sitz an der Ferse.

Das Tragen falscher Schuhe kann gesundheitliche Folgen haben.

Allerdings ist der Laufschuh nicht immer gleich die Wurzel allen Übels.

Zudem spielen persönliche Vorlieben und die Beschaffenheit des eigenen Fußes eine entscheidende Rolle.

Während manche Läufer einen möglichst starken Halt favorisieren, bevorzugen andere einen lockeren Sitz.

Je nach Präferenz wird das Schuhwerk also fester oder lockerer geschnürt.

Was aber viele Läufer nicht wissen:

Es gibt nicht nur straff oder lose.

Die Art und Weise wie du deine Schuhe bindest, spielt eine tragende Rolle beim perfekten Sitz von Laufschuhen.

Der Schuh ist des Läufers wichtigstes Werkzeug.

Grundsätzlich sollte er also bei normaler Schnürung bereits ordentlich passen.

Ein schlechtsitzender Schuh kann auch durch eine alternative Schnürtechnik nicht gerettet werden.

Dennoch gibt es einige Tipps, wie du die Passform deiner Laufschuhe optimieren und für einen noch besseren Sitz sorgen kannst.

Hier spielen die verschiedenen Schnürtechniken eine ausschlaggebende Rolle.

Schnürtechnik 1: Schmerzender Fußrücken

Wer kennt es nicht?

Die Schuhe sind zu fest geschnürt und schon nach einigen Kilometern fängt der Spann an zu schmerzen.

Aber das Training unterbrechen, um den Laufschuh neuzubinden?

Dann lieber auf die Lippen beißen und den Run mit etwas Druckschmerz sicher nach Hause bringen.

Das Problem?

Schmerzt dein Fußrücken erstmal, wird es schwierig die Beschwerden wieder loszuwerden.

Vor allem, wenn du täglich und immer in denselben Schuhen läufst.

Dagegen schafft eine spezielle Schnürung Abhilfe.

Das Auslassen des Schnürsenkellochs, welches über den schmerzenden Bereich führt, reduziert den Druck, garantiert aber weiterhin einen sicheren Halt.

Hierzu schnürst du deinen Laufschuh zunächst wie gewohnt.

Binde die Senkel von innen nach außen.

Sobald du bei der schmerzenden Stelle angelangt bist, führst du die Bänder parallel zur Zunge direkt in das nächste Loch, statt die Senkel zu kreuzen.

Schnür den Laufschuh dann ganz normal zu Ende.

Schnürtechnik 2: Hoher Spann

Häufig haben Läufer mit Hohlfüßen einen hohen Rist.

In dem Fall drückt die normale Schnürung dauerhaft auf den gesamten Fußrücken.

Den Druck kannst du reduzieren, indem du die Schnürsenkel parallel bindest.

Dabei solltest du beachten, dass sich die Bänder niemals überkreuzen.

Du führst den rechten Schnürsenkel also zunächst von außen durch die erste Öse auf rechten Seite.

Von hier durch das zweite Loch auf derselben Seite.

Beim linken Schnurband startest du in der ersten Öffnung, überspringst jedoch das zweite Loch auf linken Seite, um den Schnürsenkel dann von innen durch die dritte Öffnung und auf die gegenüberliegende Öse zu fädeln.

Auf jeder Seite überspringst du also ein Schnürsenkelloch.

Wiederhole diese Schritte bis zum obersten Ösenpaar.

Schnürtechnik 3: Marathonschnürung

Hast du dich eigentlich schonmal gefragt, warum die meisten Laufschuh ganz oben noch zwei zusätzliche Ösen haben?

Diese beiden Löcher spielen bei der Fersenschnürung eine tragende Rolle.

Denn die sogenannte Marathonschnürung verbessert den Halt im Schuh deutlich, ohne den Fußrücken zu sehr zu belasten.

Außerdem macht diese Binde-Methode ihren Namen alle Ehre.

Schnürsenkel, die sich während des Laufens immer wieder lösen, gehören mit dieser Schnürtechnik der Vergangenheit an.

Der Schuh wird ganz normal gebunden.

Damit du im Fersenbereich mehr Stabilität und Halt hast, führst du die Schnürsenkel von außen in die zusätzlichen Ösen.

Dabei bilden sich zwei Schlaufen.

Jetzt fädelst du die Schnurbänder durch die jeweils gegenüberliegende Schleife.

Anschließend verknotest du die Schnürsenkel sicher.

Zusatztipp: Lange Schnürsenkel verstauen

Oft meinen es die Laufschuh-Hersteller zu gut mit den Schnürsenkeln.

Diese sind dann selbst mit einem Doppelknoten und einer alternativen Schnürtechnik viel zu lang.

Und es gibt fast nichts Schlimmeres als Schnurbänder, die beim Laufen zur Stolperfalle werden könnten.

Das gilt für das Laufen auf Asphalt.

Aber noch mehr für das Trailrunning.

Denn hier könnten sich die Schnürsenkel in herumliegenden Ästen oder Wurzeln verfangen.

Das endet dann meist böse.

Die meisten Trailschuhe besitzen zwar auf der Schuh-Lasche ein kleines Täschchen, in dem die Bänder sicher verstaut werden können.

So ein Stauraum hat sich bei Straßenschuhen allerdings noch nicht etabliert.

Doch die Schnürsenkel mit Überlänge können ganz leicht gesichert werden.

Nach dem Knoten klemmst du die Bänder einfach unter die Schnürung.

Das mag vielleicht nicht ganz so cool aussehen.

Dafür werden die Schnürsenkel aber auch nicht zur Stolperfalle.

Die Schuhe müssen passen

Grundsätzlich sollte ein Laufschuh natürlich mit der handelsüblichen Schnürmethode passgenau sitzen.

Aber eine spezielle Schnürtechnik kann die Füße gerade bei Verletzungen oder Beschwerden entlasten.

Wenn also die Zehen nach regelmäßigem Training blau anlaufen oder der Spann plötzlich Probleme bereitet, dann solltest du den Schmerzen mit einer alternativen Schnürmethode entgegenwirken.

Die hier vorgestellten Schnürtechniken sind simpel und super schnell zu lernen.

So holst du immer das Maximum aus deinen Laufschuhen!

Der Wave Rider 25 auf einen Blick

Als der Wave Rider 1997 das Licht der Welt erblickte, überzeugte der Laufschuh von Mizuno durch sein geschmeidiges Laufgefühl.

25 Jahre später hat sich der Laufschuh-Klassiker optisch und technisch weiterentwickelt und ist zurecht der Bestseller des japanischen Sportartikelherstellers.

Passend zum Geburtstag erstrahlt der Wave Rider 25 in einer Limited Edition ganz in Weiß.

Die neue Version des Top-Sellers ist natürlich auch mit der Wave-Technologie ausgestattet.

Dabei soll die wellenförmige Zwischensohle als Dämpfungselement noch mehr Komfort und Dynamik bieten.

In Kombination mit der Mizuno Enerzy Zwischensohle soll die wellenartige Platte für eine weiche Landung und ein sanftes Abrollen sorgen.

Im Gegensatz zum Wave Rider 24 ist die neue Version deutlich leichter.

Bei der Sprengung bleibt sich Mizuno treu.

Im Wave Rider 25 beträgt sie 12 Millimeter.

Auf Papier klingen die Optimierungen am Laufschuh-Klassiker natürlich vielversprechend.

Doch überzeugt der Wave Rider 25 auch auf der Straße?

Das 25-jährige Bestehen des Wave Rider feiert Mizuno mit einer limitierten Edition, die ganz in Weiß und silbernen Highlights erstrahlt

Stärken des Wave Rider 25

Eines ist definitiv nicht gelogen.

Der Tragekomfort im Wave Rider 25 ist ausgesprochen hoch.

Schon beim First Step in fällt die Polsterung im Schuh angenehm auf.

Knöchel und Ferse fühlen sich im Neutralschuh von Mizuno richtig wohl.

Es gibt hier kaum Spielraum für die Entstehung von schmerzenden Blasen.

Das macht den Wave Rider 25 zum perfekten Begleiter für die Longruns am Wochenende.

Der Oberschuh bietet dir ausreichend Halt, ohne dabei einengend zu wirken.

Mit Hilfe der Marathon-Schnürung kann der Sitz im Fersenbereich zudem noch optimiert werden.

Selbst wenn die Optik eines Laufschuh total nebensächlich ist, muss ich die Gestaltung des Wave Rider 25 an dieser Stelle trotzdem hervorheben.

Denn in der Jubiläums-Edition erstrahlt der Mizuno-Klassiker ganz in Weiß mit silbernen Highlights.

Damit trifft der japanische Sportartikelhersteller genau den Zahn der Zeit.

Weiße Schuhe liegen voll im Trend!

Allein deshalb ist der Wave Rider 25 im Jubiläums-Weiß schon ein optisches Highlight.

Der Wave Rider 25 überzeugt durch einen hohen Tragekomfort und einem gut gepolsterten Fersenbereich

Schwächen des Wave Rider 25

Doch bei all der Lobhudelei müssen natürlich auch die Optimierungspotenziale angesprochen werden.

Der erste Eindruck einer gepolsterten Lasche täuscht.

Es hängt natürlich davon ab, wie fest du den Wave Rider 25 bindest.

Nach längeren Läufe habe ich schmerzende Druckstellen auf dem Spann bekommen.

Dieses Problem kannst du aber ebenfalls mit einer speziellen Schnürtechnik umgehen.

Schwerwiegender ist das Laufgefühl im Wave Rider 25.

Denn der Schwerpunkt des Mizuno-Bestsellers liegt im Rückfußbereich.

Der Wave Rider 25 forciert somit eine Landung auf der Ferse.

Das mag allen Rückfußläufern in die Karten spielen.

Mittelfußläufer müssen sich hingegen stark auf die Landung konzentrieren, um nicht mit der Ferse aufzukommen.

Zudem ist der Wave Rider 25 offensichtlich für Fersenläufer konzipiert.

Denn die Mizuno-Enerzy-Technologie ist beim Lauf über den Mittelfuß nicht spürbar.

Das Laufgefühl wirkt stumpf.

Dem Schuh fehlt Bounce und somit auch Dynamik.

Die Mizuno Wave im Rückfußbereich des Wave Rider 25 sorgt für Dämpfung und Stabilität

Neutralschuh für Fersenläufer

Der Laufschuh von Mizuno überzeugt durch hohen Tragekomfort und sicheren Halt.

Allerdings ist der Wave Rider 25 nicht jedem Läufer zu empfehlen.

Denn wenn du über den Mittelfuß abrollst, wirst du das reaktive Laufgefühl vermissen.

Für Rückfußläufer ist der Wave Rider 25 ein sehr guter Neutralschuh.

In Kombination mit der Mizuno Wave und dem Enerzy Dämpfungsmaterial absorbiert der Laufschuh-Klassiker die Aufprallkräfte und drückt dich gleichzeitig in die nächste Schwungphase.

Seine Stärken spielt der Wave Rider 25 bei langen und ruhigen Dauerläufen aus.

Für Tempo- und Schwellen-Läufe würde ich zu einem dynamischeren Modell greifen.

Disclaimer

Für diesen Test hat mir Mizuno den Wave Rider 25 zur Verfügung gestellt. Dies hatte jedoch keinen Einfluss auf den Inhalt meines Testberichts. Alle Aussagen stellen meine persönlichen Erfahrungen und Meinungen zum Wave Rider 25 dar.

Unsere moderne Beschleunigungsgesellschaft gibt dir das Gefühl dauerhaft unter Zeitdruck zu stehen.

Im historischen Vergleich hast du aber heutzutage mehr Zeit denn je.

Doch wie kannst du Job, Familie, Freunde und Lauftraining möglichst effizient unter einen Hut bringen?

Mal setzt sie dich unter Druck.

Mal weißt du nichts mit ihr anzufangen.

Doch unaufhaltsam rast sie dir davon.

Sie ist dein bester Freund und gleichzeitig dein ärgster Feind.

Denn nach ihr wird alles bemessen.

Die Zeit.

Ob Laufgeschwindigkeit (Kilometer pro Minute), Time on Feet (die Dauer einer Trainingseinheit unabhängig der zurückgelegten Distanz) oder die ideale Regenerationszeit.

Alles lässt sich in Sekunden, Minuten oder Stunden übersetzen.

Der Faktor Zeit spielt allerdings nicht nur während des Trainings eine Rolle.

Denn viel häufiger als wie schnell oder wie lang stellt sich die Frage nach dem wann.

Eine Frage der Priorität

"Ich würde ja gerne viel öfter laufen gehen, aber mir fehlt einfach die Zeit dafür!“

Ein Satz, den ich immer wieder höre und bei dem sich mir immer wieder die Nackenhaare aufstellen.

Vor 5.000 Jahren, als Menschen noch Jäger und Sammler waren und tatsächlich ums Überleben kämpfen mussten, war das sicherlich ein gutes Argument.

Heute, in Zeiten von flexiblen Arbeitszeiten und Home-Office darf die Zeitkomponente schlichtweg keine Ausrede mehr sein.

Jedem von uns stehen 24 Stunden pro Tag zur Verfügung.

Es liegt ganz in deiner Macht zu entscheiden, wie du diese 1.440 Minuten nutzt.

Wenn du also nach einem anstrengenden Arbeitstag nach Hause kommst und auf der Couch versackst, ist das vollkommen in Ordnung.

Dann darf Zeitmangel jedoch nicht als Argumentationsgrundlage dienen.

Wie sagte Lucius Annaeus Seneca so schön?

Es ist nicht zu wenig Zeit, die wir haben. Es ist zu viel Zeit, die wir nicht nutzen.

Im Jahr 2016 belegte Anja Scherl den dritten Platz beim Hamburg-Marathon.

Mit einer Zeit von 2:27:50 sicherte sich die oberpfälzische Läuferin gleichzeitig die Teilnahme bei den Olympischen Spielen in Rio de Janeiro.

Das Faszinierende an dieser Anekdote?

Scherl arbeitete während ihrer gesamten Vorbereitung noch als Softwareentwicklerin in Vollzeit.

Dabei musste sie sogar täglich eine Stunde zur Arbeit pendeln.

Die Läuferin aus Regensburg hat damit eindrucksvoll bewiesen, dass sich professionelles Training, Vollzeitjob sowie Familie und Freunde miteinander vereinbaren lassen.

4 Tipps für ein besseres Zeitmanagement

Hinter dem erfolgreichen Zeitmanagement steckt jedoch wesentlich mehr als streng durchgetaktete Tage.

Willst du deinen Arbeits-, Familien- und Lauf-Alltag besser in der Griff bekommen, solltest du dir die folgenden Prinzipien zu Herzen nehmen.

Denn sie zu befolgen, spart nicht nur wertvolle Zeit.

Es erhöht auch deine Lebensqualität.

Setz dir Ziele

Egal, ob du einfach häufiger laufen oder deine alte Bestzeit knacken willst.

Du brauchst ein Laufziel!

Denn ohne konkrete Zielsetzung irrst du planlos durch die Gegend.

Hast du hingegen ein klar formuliertes Ziel vor Augen, weißt du immer, wofür du trainierst.

Somit hat jede Trainingseinheit einen Sinn.

Zudem schaffst du dir mit einem Ziel in der Regel genügend Freiraum, um eine bestimmte Absicht zu erreichen.

Laufen ohne konkreten Plan hat durchaus seine Vorzüge – die meisten Läufer bleiben aber mit einem Trainingsplan motiviert am Ball

Entwickel Routinen

Es ist sinnvoll, persönliche Routinen als festen Bestandteil des Alltags zu entwickeln.

Das strukturiert nicht nur das eigene Leben, es verhindert auch unnötige Stresssituationen.

Denn mit der Zeit werden Routinen zur Gewohnheit, die nahezu automatisiert ablaufen.

Bevor du dich versiehst, schnürst du deine Laufschuhe an jedem zweiten Tag direkt nach der Arbeit.

Mit Routinen werden Dinge nicht nur zur Gewohnheit, durch die Automatismen sparst du auch eine Menge Zeit

Werde zum Turnschuhpendler

Sollte es dein Arbeitsweg zulassen, kannst du das Pendeln und das Lauftraining sinnvoll miteinander kombinieren.

Nimm einfach deine Laufklamotten mit zur Arbeit und laufen nach Feierabend direkt nach Hause.

Falls dein Büro über Duschen verfügt, kannst du natürlich auch direkt von zu Hause zur Arbeit laufen.

Oder du absolvierst in der Mittagspause eine kleine Laufsession.

Wofür du dich auch entscheidest.

Deine Zeit nutzt du auf diese Weise so effizient wie nur möglich.

Zur Arbeit laufen, spart nicht nur die lästige Anreise mit dem Bus, der Bahn oder dem eigenen Auto, sondern auch wertvolle Zeit

Eliminiere Zeitkiller

Facebook, Instagram und Co sind wahre Zeitfresser.

Tu dir selbst den Gefallen und lass dein Handy nach der Arbeit in der Tasche.

Statt die neusten Bilder und Beiträge abzuchecken und in die glamouröse Welt der Lauf-Influencer einzutauchen, solltest du lieber direkt in die eigenen Laufschuhe springen.

Das Leben anderer Leute zu verfolgen, ist sicherlich mal ganz interessant, aber auch leider sehr zeitintensiv

Bleib gelassen

Die Jäger-und-Sammler-Zeiten sind schon lange vorbei.

Historisch gesehen, steht dir also wesentlich mehr Zeit zur Verfügung.

Und dennoch fühlt es sich häufig so an als sei Zeit eine knappe Ressource.

Du hetzt von einem Meeting in das nächste.

Versuchst Fluten von E-Mails zu kontrollieren.

Bist dank Always On jederzeit für jedermann erreichbar.

Und bürdest dir zudem noch freiwillig den Freizeitstress auf.

Das Arbeitsleben, Bildungsprozesse, die Unterhaltungsindustrie.

Überall zeigen sich Beschleunigungstendenzen.

Der Weg zum erfolgreichen Zeitmanagement – unabhängig ob bei der Arbeit oder beim Sport – ist der Schritt zurück zur Gelassenheit.

Das Reduzieren von Stressfaktoren sollte dir also am Herzen liegen.

Schließlich kannst du ungestresst eine höhere Leistung abrufen.

Ein Trainingsplan ist für Läufer zwar ein wertvolles Instrument, sollte jedoch niemals das eigene Leben bestimmen.

Disclaimer

Für diesen Test hat mir Topo Athletics den Magnifly 3 zur Verfügung gestellt. Dies hatte jedoch keinen Einfluss auf den Inhalt meines Testberichts. Alle Aussagen stellen meine persönlichen Erfahrungen und Meinungen zum Magnifly 3 dar.

Der Magnifly 3 auf einen Blick

Adidas, Asics, Hoka One One, Saucony, On, New Balance.

Die Liste der verschiedenen Laufschuhhersteller ist viel zu lang, um sie in einem Beitrag komplett aufzulisten.

Der springende Punkt ist jedoch:

Im riesigen Teich der Laufbranche schwimmen nicht nur große Haie.

Es sind die kleinen Fische, die das Angebot an Laufschuhen so vielseitig machen.

Topo Athletic ist eine jener Firmen, die noch nicht vollständig auf dem Radar der Freizeitathleten erschienen ist.

Und das, obwohl Topo bereits im Jahr 2017 den deutschen Markt erobert hat.

Zudem ist Deutschland weltweit der größte Absatzmarkt außerhalb der USA.

Das Erfolgsrezept von Topo?

Form follows function.

Funktionalität steht an erster Stelle.

Das gilt natürlich auch für den Magnifly 3.

Der Laufschuh mit der Null-Millimeter-Sprengung ist Laufanfängern allerdings nicht zu empfehlen.

Solltest du aber schon länger im Running-Game sein und bereits Erfahrungen mit Zero-Drop-Laufschuhen gemacht haben, dann ist der Magnifly 3 ein spannender Schuh für deine Füße.

Stärken des Magnifly 3

Passform und Tragegefühl

Jeder Topo-Schuh zeichnet sich durch eine breite Zehenbox aus.

Im Magnifly 3 haben deine Zehen also endlich mal das richtige Maß an Bewegungsfreiheit.

Das kann schmerzhafte Fußprobleme nicht nur lindern, sondern auch langfristig vorbeugen.

Insbesondere Läufer mit breiten Füßen profitieren also von der breiten Toe-Box.

Der Magnifly 3 trägt sich ohnehin sehr angenehm.

Sowohl beim first step in, beim Gehen als auch beim Laufen.

Nichts zwickt.

Nichts rutscht.

Nichts drückt.

Im Gegenteil.

Von der Fersenkappe bis zur Zehenbox ist der Magnifly 3 durchweg gut gepolstert und bequem.

Die Passform des Schuh ist hier deshalb besonders hervorzuheben.

Übrigens erkennst du einen passenden Laufschuh immer daran, dass das Obermaterial beim Schnüren keine Falten wirft.

Egal, wie fest du den Magnifly 3 bindest.

Der Magnifly 3 von Topo besitzt eine Einlegesohle mit einer Art Pelotte, die dein Fußgewölbe zusätzlich unterstützt.

Der Druck auf deinen Fuß ist dabei aber nicht ganz so extrem wie bei orthopädischen Einlagen.

Insbesondere bei langen Läufen habe ich diesen zusätzlichen Support als angenehm empfunden.

Topo Athletics Magnifly 3 von schräg vorne
Der Magnifly 3 sitzt wie angegossen

Laufgefühl

Meinen ersten Lauf mit dem Magnifly 3 von Topo habe ich noch gut in Erinnerung.

Es war die klassische Longrun-Runde.

Statt das Tempo jedoch konstant zu halten, wurde ich hinten raus immer schneller.

Am Ende stand ein Halbmarathon in 1:39 Stunden auf meiner Laufuhr.

Die Tempoverschärfung auf den letzten fünf Kilometern lässt sich dabei ziemlich leicht erklären:

Mit dem Magnifly 3 an den Füßen hat das Laufen einfach sau viel Spaß gemacht!

Der Laufschuh von Topo eignet sich also nicht nur für lange Läufe.

Der Magnifly 3 kommt auch gut mit höheren Geschwindigkeiten klar.

Das Laufgefühl ist gleichzeitig direkt und dynamisch.

Dabei ist die Zwischensohle nicht ganz so hart wie vom ON Cloudrush.

Aber auch nicht ganz so weich wie vom Metaspeed Sky von Asics.

Du hast zu jeder Zeit die volle Kontrolle über den Magnifly 3 und deine Laufbewegung.

Das liegt zum einen an der Null-Millimeter-Sprengung.

Und zum anderen an der geringen Stack-Height, also die addierte Höhe von Zwischen- und Außensohle des Magnifly 3.

Aufgrund dieser minimalen Stack Height hast du beim Laufen ein gutes Gefühl von Stabilität und Sicherheit.

Sohle des Magnifly 3 von Topo Athletics
Die Außensohle des Magnifly 3 ist Standard – der Laufschuh von Topo Athletics fühlt sich auf Asphalt am wohlsten

Defizite des Magnifly 3

Einlegesohlen

Der Magnifly 3 sitzt an meinen Füßen wie angegossen.

Dennoch habe ich nach den Läufen regelmäßig Druckstellen an den großen Zehen.

Dieses Phänomen ist bislang in keinem anderen Laufschuh vorgekommen.

Schuld ist hier die Einlegesohle des Magnifly 3.

Denn auf Höhe des großen Zehs befindet sich wieder eine Art Pelotte.

Durch die normale Laufbewegung entsteht zwischen Pelotte und Zeh dann eine Reibung, die zumindest bei mir für Hautirritationen gesorgt hat.

Null-Millimeter-Sprengung

Darüber hinaus sehe ich die Zero-Drop-Konstruktion des Magnifly 3 durchaus kritisch.

Grundsätzlich sind Laufschuhe mit geringer Sprengung zu empfehlen.

Denn im Gegensatz zu Schuhen mit hohem Absätzen müssen deine Waden und deine Achillessehnen in Laufschuhen mit 0 mm Sprengung wesentlich mehr arbeiten.

Doch genau hier liegt das Problem.

Läufer, die von Schuhen mit einer hohen Sprengung kommen (>8 mm), werden sich mit dem Magnifly 3 übernehmen, wenn das normale Laufpensum beibehalten wird.

Deine Laufumfänge sollten mit dem Magnifly 3 zunächst also gering bleiben, damit sich deine Bewegungsmuskulatur an den neuen Reiz anpassen kann.

Topo Athletics Magnifly 3 von hinten
Aufgrund der Null-Millimeter-Sprengung ist der Magnifly 3 mit Vorsicht zu genießen

Finish

Der Magnifly 3 von Topo ist ein absolut solider Laufschuh.

Vorausgesetzt, du kannst mit den Schuhen auch umgehen.

Solltest du bislang immer in Modellen mit hoher Sprengung gelaufen sein, dann solltest du deiner Bewegungsmuskulatur die notwendige Anpassungszeit geben.

Bei Sehnen und Bändern dauert diese Adaption allerdings mindestens sechs Wochen.

Der Magnifly 3 ist also eher als Einsteigerschuh in die Welt der Zero-Drop-Trainer zu verstehen.

Solltest du deine Joggingrunden allerdings regelmäßig mit Laufschuhen mit geringer Sprengung (>5 mm) drehen, dann kann ich dir den Magnifly 3 nur wärmstens empfehlen.

Der Tragekomfort ist hervorragend.

Das Laufgefühl direkt und reaktiv.

Gleichzeitig gibt dir der Magnifly 3 aber auch genügend Stabilität, um auch kurvenreiche Laufstrecken in einem hohen Tempo laufen zu können.

Kurz und knapp:

Laufen im Magnifly 3 macht unglaublich viel Spaß.

Solange du mit dem Modell umgehen kannst.

Von der Laufstilanalyse bis zur Leistungsdiagnostik.

Von Resilienz bis Biohacking.

Von Schweißanalysen, Schlaftracker, Running-Pods und Glukose-Biosensoren, die deine molekularen Glukosedaten kontinuierlich in Echtzeit messen und an deine Laufuhr schicken.

Heutzutage sind nicht nur Diagnoseverfahren der Masse zugänglich, die sonst ausschließlich professionellen Athleten vorbehalten waren.

Nein, heutzutage können die meisten Analysen auch bequem von zu Hause aus und ohne großartige Expertise durchgeführt werden.

Zu allem Überfluss werden immer mehr Gadgets und Wearables für Läufer entwickelt, die den Zwang zur Selbstkontrolle weiter befeuern.

Diese Entwicklung ist ein Paradebeispiel für das Marktgleichgewicht innerhalb der Running-Branche:

Die Nachfrage bestimmt das Angebot.

Der Fitness- und Lifestyle-Markt der Activity Tracker und anderer Geräte explodiert jedoch nicht erst seit dem neuentfachten Laufboom.

Das Angebot an Ernährungstipps, individuellen Trainingsplänen und Fitnessarmbändern bedingt sich durch einen Wertewandel, der eine hohe Nachfrage derartiger Produkte provoziert hat.

Zwang zur Selbstoptimierung

Die Masse an mobilen Applikationen, individualisierten Trainingsplänen und kostenlosen – mit Vorsicht zu genießenden – Gesundheitstipps im Netz ist unüberschaubar.

Mit den richtigen Suchbegriffen findest du im Internet schnell die Lösung für sämtliche Probleme.

Teilweise wissenschaftlich fundiert, in einigen Fällen von der Schwarmintelligenz getestet und validiert.

Dieser Zugang zu Informationen ist Fluch und Segen zugleich.

Natürlich erleichtert er dir den Alltag.

Spezielle Kraftübungen für Läufer, die digitale Diagnose einer potenziellen Laufverletzung oder ein schnelles Low-Carb-Rezept für den Abend.

Die Arbeitserleichterung und die Zeitersparnis ist möglicherweise der größte Vorteil des World Wide Web.

Möglicherweise.

Denn suchst du nach Symptomen und der Behandlung einer Verletzung, kannst du dir auch deutlich mehr Schaden zufügen.

Das Googlen von Beschwerden sollte noch immer nicht den Gang zum Arzt ersetzen.

Egal, von welchem Standort, zu welchem Zeitpunkt und über welches Endgerät.

Der schnelle Zugang zu Informationen führt aber auch dazu, dass Dinge ad-hoc recherchiert werden.

Wenn Eliud Kipchoge also mal wieder einen Fabelrekord läuft, hast du innerhalb kürzester Zeit herausgefunden, wie seine Vorbereitung ausgesehen, welche Ernährungsstrategie er verfolgt und welche Laufschuhe der Kenianer an seinen Füßen getragen hat.

Alles schön und gut.

Das Problem liegt dabei jedoch am bereits erwähnten Wertewandel.

Denn aus bloßem Interesse willst du solche Dinge nur in den seltesten Fällen wissen.

Was dich vielmehr interessiert:

Welche Möglichkeiten stehen mir zur Verfügung, damit auch ich das Maximum meiner Leistungsfähigkeit erreichen kann?

Selbst die Schlafqualität wird überwacht, um das Maximum aus seinem Körper herauszuholen

Weniger ist manchmal mehr

Ein Pacer-Team lässt sich sicherlich zusammenstellen.

Auch die Laufschuhe könntest du dir mit dem nötigen Kleingeld zulegen.

Allerdings würdest du das Pferd hierbei von hinten aufzäumen.

Schließlich fängt die Vorbereitung auf einen Wettkampf bereits Monate im Voraus an.

Also lässt du dein derzeitiges Leistungsniveau erstmal durch eine professionell durchgeführten Spiroergometrie analysieren.

Im nächsten Schritt folgt der individuelle Trainingsplan in Kombination mit persönlichen Kraft-, Stabi- und Mobility-Übungen.

Smarte Fitnesstracker überwachen die Qualität deines Schlafs.

Mit Hilfe von intelligenten Running-Pods verbesserst du Laufstil und -technik.

Ein spezieller Ernährungsplan unterstützt dich beim Erreichen deines Idealgewichts.

Und weil das Training doch kräftezehrend ist, gönnst du dir wöchentlich einen Physiotherapeuten auf eigene Kosten.

So machen es die Profis schließlich auch.

Nur bezahlen Elite-Athleten nichts für die therapeutische Behandlung.

Es ist keineswegs verwerflich, sich ständig verbessern zu wollen.

Das Problem dabei ist nur, dass du dich schnell in einem Zwang zur Selbstoptimierung befindest.

Wenn dieser Zwang zur Selbstoptimierung jedoch zu Wahnsinn und übertriebenen Erwartungen führt, solltest du die eigene Zielsetzung zügig reflektieren.

Keine Frage.

Sich einmal wie ein Eliud Kipchoge fühlen, kann eine Zeit lang Spaß machen.

Wenn du deine sportlichen Ambitionen jedoch immer über Beruf, Familie oder soziale Kontakte stellst und dein Leben von körperbezogenen Daten und Fitnessarmbändern diktieren lässt, solltest du ernsthaft einen digitalen Detox in Betracht ziehen.

Denn selbst wenn das Angebot an Apps und Gadgets vorhanden ist.

Die eigene Lebenszeit ist noch immer nicht käuflich.

Beim Großglockner-Trail musste ich 57 Kilometer und knapp 3.500 Höhenmeter bezwingen.

Am Ende lief ich als 17. über die Ziellinie.

Wie ich mich gegen die Trail-Experten durchgesetzt habe, liest du in diesem Erlebnisbericht.

Die Nacht war kurz.

Der Schlafmangel ist jedoch nicht der Aufregung des bevorstehenden Wettkampfs geschuldet.

Denn anders als bei Straßenläufen spielt die Pace beim Trailrunning eine untergeordnete Rolle.

Ich kann überhaupt nicht abschätzen, wie lange ich für 57 Kilometer und 3.500 Höhenmeter benötigen werde.

Und ohne eine anvisierte Zielzeit fehlt auch der daraus resultierende Leistungsdruck.

Die Uphills stark laufen, die Downhills sicher bewältigen und ohne Knochenbrüche oder schwere Stürze ins Ziel kommen.

Das ist der Wettkampfplan.

Was mich am Abend zuvor aber nicht hat einschlafen lassen, sind die beiden Fußballspiele des FC Kaprun.

Ich werde vom plötzlichen Torjubel oder dem lautstarken Aufregen über ein grobes Foul wachgehalten.

Zudem schallen Après-Ski-Hits in der Halbzeitpause aus den Lautsprechern.

Am Ende des Tages teilt sich der FC Kaprun die Punkte je zweimal mit einem Unentschieden gegen seine Gegner.

Viereinhalb Stunden später klingelt mein Wecker.

Obwohl der Start des Großglockner-Trails (GGT 55) aufgrund der Wetterverhältnisse um eine Stunde nach hinten verschoben worden ist, stehe ich um 2:30 Uhr auf.

Mein Hotelzimmer ist weder mit einem Kühlschrank noch mit einer Kaffeemaschine ausgestattet.

Alle notwendigen Vorbereitungen habe ich deshalb natürlich bereits am Vortag getroffen:

Aus dem Appartement meiner mitgereisten Eltern habe ich mir Wasserkocher, Gläser, Tassen und Besteck geschnappt.

Pünktlich um 3 Uhr sitze ich also mit meinen Haferflocken und einer Tasse frisch aufgekochten Instant-Kaffee auf einem Sessel und verfolge die Olympischen Spiele 2020 live im Fernsehen.

Höhenmeter per Laufband sammeln

Nach dem obligatorischen Toilettengang und dem finalen Check der Ausrüstung breche ich auf.

Der GGT 55 startet in Kals.

Von Kaprun werden die knapp 420 Teilnehmer mit Bussen zum Start gefahren.

Im Shuttlebus nutze die Zeit, um mir den Streckenverlauf und die Verpflegungsstellen einzuprägen.

Von Aufregung noch immer keine Spur.

Nach der Anfahrt habe ich in Kals noch eine Stunde Zeit, um mich mental auf das Rennen einzustimmen.

Ich suche wärmenden Unterschlupf in einer Hütte, die nur durch die Masse an Menschen beheizt erscheint.

Auf einen heißen Tee oder einen letzten Snack verzichte ich.

Allein meine Blase leere ich in regelmäßigen Abständen.

Um zehn vor sieben ist es dann endlich soweit.

Nach einer Wettkampf-Abstinenz von beinahe einem Jahr stehe ich endlich wieder in einem Startblock, wo ich die Vorfreude mit Gleichgesinnten teile.

Der Startschuss ertönt.

Wie bei Straßenwettkämpfen enteilen die Elite-Athleten dem Hauptfeld in einer uneinholbaren Geschwindigkeit.

Doch statt mit den Profis Schritt halten zu wollen, starten die restlichen Teilnehmer zurückhaltend ins Rennen.

Der Respekt vor dem Berg ist groß.

Denn bereits auf den ersten neun Kilometern müssen wir knapp 1.200 Höhenmeter bezwingen.

Wer sich hier überschätzt, wird sich für den Rest des Wettkampfs quälen müssen.

Für den Großglockner-Trail habe ich mich mit einem Trainingsplan von Michael Arend vorbereitet.

Die vergangenen 16 Wochen waren intensiv und kräftezehrend – teilweise bin ich 140 Kilometer pro Woche gelaufen.

Doch obwohl ich die Mehrheit meiner Workouts aus Mangel an Bergen und steilen Anstiegen auf einem Laufband absolviert habe, fühle ich mich ausreichend vorbereitet.

Dementsprechend gehe ich den ersten langen Anstieg auch selbstbewusst an.

Während die meisten Teilnehmer direkt mit dem Speed-Hiking starten, erklimme ich den Berg im Laufschritt.

Die Verpflegungsstation auf der Pfortscharte (2.838m) erreiche ich als 14. 90 Minuten nach dem Startschuss nehme ich hier das erste Gel zu mir und fülle meine Wasser-Reserven auf.

Scheinbar bin ich jedoch der einzige, der sich zu diesem Zeitpunkt Gedanken um seine Energiezufuhr macht.

Das Gros der Läufer lässt den Verpflegungspunkt links liegen und rast stattdessen ohne Zwischenstop in den ersten Downhill.

Ich lasse mich davon beeinflussen, verschwende keine weitere Zeit und hefte mich an die Fersen meiner Konkurrenten.

No pain, no gain

Die Downhill-Passagen bereiten mir Kopfzerbrechen.

Als Flachländer bin ich es gewohnt, einen Fuß vor den anderen zu setzen.

Kilometer für Kilometer.

Stunde um Stunde.

Im Gebirge läuft es sich aber vollkommen anders.

Der Sprung über einen Gebirgsbach, Trippelschritte bei 180-Grad-Kurven, Ausweichmanöver bei herausragenden Steinen und das Tänzeln auf gerölligen Pfaden.

Standard im Trail.

Die Trittsicherheit muss stimmen, ansonsten kann ein Lauf abseits der Wege böse enden.

Und genau diese Sicherheit fehlt mir, um den Anschluss an die Läufer vor mir halten zu können.

Immer wieder muss ich von hinten heraneilenden Teilnehmern die Vorfahrt gewähren.

Ich staune über die Trail-Experten, die so schnell und dynamisch über die schmalen Trampelpfade zu fliegen scheinen, ohne auch nur ansatzweise aus der Balance zu geraten.

Ist diese Sicherheit im Trail erlernbar?

Oder fehlt diesen Athleten schlichtweg die Angst vor Stürzen, gerissenen Bändern oder Knochenbrüchen?

Gedanken, die während des Laufens durch meinen Kopf schwirren.

Trotz aller Sicherheitsbedenken kann ich den Abstand auf meinen Vordermann verkürzen.

Demütig reihe ich mich in die aus knapp zehn Personen bestehende Lauf-Kolonne ein.

Konzentriert achte ich auf die Füße des Läufers vor mir.

Wo er hintritt, trete auch ich hin.

Und wenn er nicht stürzt, stürze auch ich nicht.

So der Plan.

Keine zehn Minuten später liege ich bauchlings auf einem Schneefeld.

Rookie-Mistake.

Wer eine Kurve über Eis laufen will, sollte nicht zu hart einschlagen.

Diesen Fehler habe ich bereits in jungen Jahren mit meinem brandneuen Roller gemacht.

Damals war es ein nasser Gullideckel, der mich durch eine scharfe Linkskurve hat schliddern lassen.

Und auch vor 18 Jahren habe ich Schürfwunden davongetragen.

Ich signalisiere meinen Mitläufern, dass ich mich nicht schwer verletzt habe.

Die pochenden Schmerzen in meinem linken Oberschenkel ertrage ich wie ein echter Trailläufer.

Denn derart Stürze gehören nunmal dazu.

Sie sind der Weckruf, achtsam und fokussiert zu bleiben.

Der Staudamm am Magaritzensee war die erste flache Strecke im Wettkampf

Belastung von Körper und Geist

Wir laufen über Stock und Stein, über weitere Schneefelder und durch nebelige Passagen.

Der abrupte Temperatursturz zwingt mich beinahe zum Anziehen meiner Regenjacke.

Der Trail zum Margaritzenstausee lässt die Körpertemperatur aber wieder rasant ansteigen.

Auf dem Damm angekommen, laufe ich zum ersten Mal in diesem Wettkampf auf einer ebene Strecke.

Den Ausblick auf den azurblauen Stausee kann ich allerdings nur kurz genießen.

Denn meine Beine haben Probleme, den Anweisungen meines Kopfs zu folgen.

Monotone Bewegungsabläufe sind sie nicht mehr gewohnt – sie haben sich auf unrhytmisches Laufen eingestellt.

Bevor sich mein Körper jedoch nur im Ansatz an die flache Strecke gewöhnen kann, blicke ich auf den nächste Gipfel, den es zu erklimmen gilt.

Mit dem Großglockner im Blick geht es hinauf über das Glocknerhaus zur unteren Pfandlscharte (2.663m).

Ohne Trailrunningstöcke wären die Anstiege noch kräftezehrender gewesen als ohnehin schon

Nicht ohne positives Mindset

Trailrunning ist Kopfsache.

Nicht nur das Bergablaufen erfordert ein hohes Maß an Konzentration.

Auch die Anstiege stellen Körper und Geist auf die Zerreißprobe.

Denn sobald man meint, kurz vor dem Gipfel zu stehen, sieht man in weiter Ferne sich bewegende Silhouetten, die einen vor Augen führen, wie viel Höhenmeter der eigene Körper noch über sich ergehen lassen muss.

Zudem bin auch ich mittlerweile in schnellen Wanderschritten unterwegs, um die steilen Uphills zu bewältigen.

Dabei entsteht jedoch ein Lauf-Paradoxon.

Obwohl ich kontinuierlich in Bewegung bin, komme ich meinem Ziel nicht spürbar näher.

Glaubenssätze und ein positives Mindset sind der Schlüssel zum Erfolg.

Immer wieder führe ich mir vor Augen, dass es die vorletzten anspruchsvollen Höhenmeter des Wettkampfs sind.

Denn nach dieser Gipfelbesteigung folgt eine 20-Kilometer-lange Downhill-Passage.

Die Gefahr lauert an jeder Ecke

Der ersehnte Abstieg ist im ersten Moment jedoch ein großer Schock.

Denn ich befinde mich inmitten eines schneebedeckten Abhangs, der unlaufbarer gar nicht hätte sein können.

Ich versuche mich an verschiedenen Techniken, um halbwegs unbeschadet zum Fuß des Bergs zu kommen.

Wie ein Skifahrer gleite ich auf den eigenen Füßen Richtung Tal.

Doch je länger ich rutsche, desto mehr Fahrt nehme ich auf.

Und je schneller ich werde, desto schwieriger gestaltet sich das Balancieren.

Der Point of no return überschneidet sich mit dem Zeitpunkt des Unvermeidbaren.

In bester Charlie-Brown-Manier haut es mich von den Socken.

Entsprechend riesig ist die Freude, als ich wieder halbwegs festen Boden unter mir spüre.

Der Downhill bleibt technisch anspruchsvoll, allerdings ist der Trail jetzt zumindest wieder laufbar.

Wie gefährlich das Laufen in den Bergen tatsächlich sein kann, wird mir nur wenige Kilometer später bewusst.

In einer Steilkurve verliere ich meine Trittsicherheit.

Doch statt etliche Meter in die Tiefe zu stürzen, fängt mich ein dichtes Gestrüpp auf.

Abgesehen von einigen Schrammen an den Beinen komme ich unbeschadet davon.

Mir selbst erschien das Manöver gar nicht so dramatisch.

Meine Laufuhr ist da aber anderer Meinung.

Das kontinuierliche Blinken und das permanente Vibrieren weisen darauf hin, dass meine GPS-Uhr den Notruf auslöst, sollte ich die Funktion nicht innerhalb der nächsten 30 Sekunden manuell deaktivieren.

Sowohl mein Adrenalin-Spiegel als auch meine Panik vor weiteren Stürzen erreichen den Tageshöchstwert.

Den restlichen Gebirgstrail laufe ich mit zittrigen Beinen.

Trails sind nicht ganz so laufbar wie flache Strecken auf Asphalt – du solltest also immer konzentriert bleiben, um Stürze zu vermeiden

Reine Kopfsache

So richtig ins Rollen komme ich erst wieder auf den Forstwegen im Fuschertal.

Aufgrund meiner konservativen Laufweise wurde ich beim Downhill in den Bergen einige Plätze nach hinten durchgereicht.

Meine Kraftausdauer für halbwegs flache Strecken lässt mich auf den nächsten 20 Kilometern jedoch wieder an Geschwindigkeit aufnehmen.

Und so kämpfe ich mich wieder zurück in die Top15.

Dieser Siegeszug findet nach der letzten Verpflegungsstation in Fusch allerdings ein jähes Ende.

Denn der letzte große Anstieg bringt mich an den Rand der Kapitulation.

Mittlerweile bin ich seit fünf einhalb Stunden unterwegs.

Obwohl ich in regelmäßigen Abständen Flüssigkeit zu mir genommen habe, sinkt der Wasserhaushalt in meinem Körper.

Die pralle Mittagssonne verhindert zudem die angestrebte Rehydrierung.

Für die folgenden drei Kilometer Uphill benötige ich knapp 60 Minuten.

Hierbei kann weder von Laufen noch von Speed-Hiking die Rede sein.

Meine Pace ist langsamer als bei jedem Spaziergang.

Nur wenigen Konkurrenten geht es anders.

Wer jetzt noch frische Beine hat, kann ordentlich Zeit gutmachen.

Ich bin überglücklich als ich den letzten Anstieg hinter mich bringe und bergab zurück nach Kaprun laufe.

Auf dem Weg durch das Zentrum ins Ziel am Maiskogel Parkplatz kann ich noch den ein oder anderen entkräfteten Läufer überholen.

Nach 57 Kilometern, 3.284 überwundenen Höhenmetern und 4.245 verbrannten Kalorien erblicke ich meine Platzierung, meine Name und meine Zielzeit in digitalen Lettern:

17. Platz.

Robin S.

Zielzeit: 8:08:04 Stunden.

Nach acht Stunden auf den Beinen war ich mehr als froh im Ziel zu sein
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