Laufen mit Erkältung und wann du besser pausierst

Erkältet? So findest du heraus, wann Laufen noch okay ist und wann du besser pausierst.

Robin Siegert

2:34 h Marathon · Performance-Coach

Aktualisiert: 8. Oktober 2026 · 
Lesezeit: 15 Min.

Race Briefing

Halsregel statt Bauchgefühl

Wenn du wissen willst, ob du heute trotz Erkältung laufen darfst, wende die Halsregel an: Hast du Schnupfen und ein leichtes Halskratzen, kannst du kurz und sehr locker laufen. Bei Fieber, Husten aus der Brust, Gliederschmerzen oder wenn dein Ruhepuls deutlich höher ist als sonst, legst du eine Pause ein. Streich auf jeden Fall jede Tempoeinheit, egal was der Trainingsplan vorgibt. Und steht ein Rennen an, gilt eine einfache Regel: Recovery schlägt Panik-Training.

Der Hals kratzt, der Kopf dröhnt und die Nase ist das Einzige, was gerade läuft. Laufen mit Erkältung? Eigentlich stehen heute 6 x 1.000 Meter auf dem Plan oder die Schlüsseleinheit für den Marathon, auf den du seit Wochen hinarbeitest.

Du liegst in deinem Bett, suchst im Netz verzweifelt nach der Rechtfertigung, heute die Laufschuhe zu schnüren und wägst die Vor- und Nachteile vom Laufen mit beginnender Erkältung gedanklich ab.

Ist das nur eine Rotznase? Oder der Anfang eines Infekts, der dich zwei Wochen aus dem Training werfen könnte?

Ich kenne diese Situation. Ich stand drei Wochen vor einem wichtigen Wettkampf genau an diesem Punkt. Heute würde ich anders entscheiden als damals.

Die gute Nachricht: Drei Fragen reichen, um zu entscheiden, ob Joggen bei Erkältung heute okay ist. Wo sitzen deine Symptome? Wie hart wäre die geplante Einheit? Und was sagen HRV oder Ruhepuls?

In diesem Artikel zeige ich dir, wie du jeden Morgen eine klare Entscheidung triffst. Und wann du dir besser ein paar Ruhetage gönnst.

Darf man mit Erkältung joggen?

Ja, solange deine Symptome oberhalb des Halses bleiben, du kein Fieber hast und dich nicht richtig krank fühlst. In diesem Fall sind 15 bis 30 Minuten sehr lockeres Laufen möglich.

Sitzen deine Beschwerden tiefer (in Brust, Muskeln oder Gelenken) oder hast du Fieber, ist eine Laufpause angesagt.

Dieser Check heißt Halsregel. Er ist simpel und funktioniert deshalb auch im Halbschlaf morgens um halb sechs.

Läufer mit Fieberthermometer, Husten-Pastillen und Laufschuh bei Erkältung
Erkältung im Anmarsch? Bleiben die Symptome oberhalb des Halses, darfst du deine Laufschuhe noch schnüren

Die Sportmedizin der Universität des Saarlandes ordnet das so ein: Bei Schnupfen oder Halsschmerzen ohne Allgemeinsymptome gibt es keine Belege, dass moderate Bewegung schade.

Eine Beteiligung des Herzens kannst du allerdings nie ganz ausschließen. Deshalb empfehlen die Experten bei leichten Beschwerden auch nur geringe bis moderate Belastungen im aeroben Bereich.

Auch die Forschung stützt die Halsregel. In einer Studie trainierten Menschen mit frischer Erkältung einfach weiter. Die Forscher kamen zu dem Schluss, dass sie das trotz Infekt der oberen Atemwege tun dürfen. Das Problem: Die Teilnehmer dieser Untersuchung waren Untrainierte, keine Läufer, die sich mitten in der Marathonvorbereitung befinden.

Heißt für dich: Die Halsregel gibt grünes Licht für leichte Bewegung. Sie erlaubt dir aber nicht, deinen Trainingsplan stur durchzuziehen.

Kann man mit Halsschmerzen joggen?

Bei leichtem Kratzen im Hals ohne Fieber und ohne geschwollene Lymphknoten darfst du laufen. Allerdings nur kurz und sehr locker. Verstärken sich deine Halsschmerzen oder fühlst du dich fiebrig, krank und abgeschlagen, verzichtest du aufs Laufen.

Halsschmerzen sind oft das erste Signal einer Erkältung – einen Tag abzuwarten schadet deinem Training nicht, zeigt dir aber, ob sich der Infekt ausbreitet oder ob dein Körper ihn frühzeitig bekämpfen kann.

Jedes Symptom verrät dir etwas anderes. Deshalb lohnt sich ein genauer Blick darauf.

Joggen mit Schnupfen

Eine laufende Nase mit klarem Sekret ist harmlos. Lauf locker und achte dabei auf deine Herzfrequenz statt auf deine Pace. Plane deine Runde am besten so nah wie möglich an deiner Wohnung, damit du im Fall eines Abbruchs schnell nach Hause kommst.

Anders sieht es aus, wenn die Nase komplett dicht ist und Druck auf Stirn oder Wangen entsteht. Das kann auf eine Nebenhöhlenentzündung hindeuten. Geht sie mit den Allgemeinsymptomen wie Fieber oder Abgeschlagenheit einher, rät die Sportmedizin zur kompletten Sportpause in der akuten Phase.

Joggen mit Halsschmerzen

Hier musst du zwischen Kratzen und Schluckbeschwerden unterscheiden. Das Kratzen am Morgen, das nach dem ersten Kaffee verschwindet, ist harmlos. Sobald jedoch jeder Schluck schmerzt, befindet sich dein Körper mitten in der Akutphase – er kämpft gegen den Infekt an.

Taste zusätzlich deinen Hals ab. Geschwollene Lymphknoten gehören zu den Warnsignalen, bei denen du auf Sport verzichten solltest.

Joggen mit Husten

Hier entscheidet, woher der Husten kommt. Ein trockener Reizhusten aus dem Hals fällt noch unter die Halsregel. Husten aus der Brust, schleimiger Auswurf oder ein Engegefühl beim Einatmen zählen nicht dazu.

Spätestens bei einer Bronchitis gilt Laufpause. Wichtig zu wissen: Husten kann bis zu drei Wochen anhalten, auch wenn die Erkältung längst überstanden ist. Ein letzter Resthusten bei freier Brust und normalem Ruhepuls ist deshalb kein Grund für eine wochenlange Pause.

Joggen mit Fieber

Nein. Nie. Auch nicht „nur ein bisschen“. Gerade leichtes Fieber ist tückisch. Mit 38,2 Grad fühlst du dich oft noch erstaunlich fit.

Die Grenze liegt bei 38 Grad. Sportmediziner werten aber schon eine Temperatur, die 0,5 bis 1 Grad über deinem Normalwert liegt, als Stoppsignal.

Miss deine Temperatur also wirklich, statt dich auf dein Körpergefühl zu verlassen.

Wann sollte man bei Erkältung keinen Sport machen?

Es gibt eindeutige Symptome: Bei Fieber, Gliederschmerzen, starker Abgeschlagenheit, Husten aus der Brust und einem Ruhepuls, der mehr als zehn Schläge über deinem Normalwert liegt, lässt du deine Laufschuhe stehen.

Diese Warnsignale zeigen, dass der Infekt sich in deinem gesamten Körper ausgebreitet hat. Dann bringt Laufen keinen Trainingsreiz. Im Gegenteil: Sportliche Belastung wird zum Risiko.

Das entspricht den absoluten Kontraindikationen der Sportmedizin.

Ich muss dir ehrlicherweise aber auch sagen, dass die Deutsche Herzstiftung hierbei noch strenger ist. Sie rät, bereits bei leichten Symptomen wie Schnupfen oder Halsschmerzen auf Sport zu verzichten.

Falls du dir unsicher bist, bleib lieber konservativ. Ein ausgefallenes Training hat noch keine Wettkampfvorbereitung ruiniert.

Grippe statt Erkältung erkennen

Erst kratzt der Hals am Morgen, dann kommt die Schniefnase dazu – eine Erkältung schleicht sich über ein, zwei Tage an.

Eine echte Grippe trifft dich dagegen häufiger mit hohem Fieber, Schüttelfrost und Gliederschmerzen.

Fühlst du dich morgens schlagartig wie vom Lkw überrollt, spricht das eher für eine Grippe als für eine Erkältung.

Bei einer Grippe gilt: kein Sport, bis alle Symptome weg sind. Danach steigerst du die Belastung langsam über ein bis zwei Wochen.

Falls du Vitalwerte wie HRV und Ruhepuls aufzeichnest, behalte sie im Auge. Sobald sie wieder auf Normalniveau sind, ist das ein gutes Zeichen, aber noch kein grünes Licht. Steig vorsichtig wieder ins Training ein.

Warnsignale vom Herzen

Es gibt ein Thema, das leider noch immer zu viele auf die leichte Schulter nehmen: die Herzmuskelentzündung. Im Fachjargon heißt sie Myokarditis. Nach einer Erkältung ist sie selten. Wenn sie auftritt, ist sie aber ernst.

Achte deshalb während und nach einem Infekt auf diese Signale:

  • deutlich verringerte Leistung bei gewohntem Tempo
  • schnelle Erschöpfung schon bei lockeren Easy Runs
  • Kurzatmigkeit, die nicht zur Belastung passt
  • Herzrasen oder Stolpern des Herzschlags
  • Schmerzen oder Druck in der Brust

Wenn ein Warnsignal auftritt, brichst du den Lauf ab und gehst direkt zum Arzt. Er klärt in der Regel mit EKG und Herzultraschall ab, ob eine Herzmuskelentzündung vorliegt.

Wird tatsächlich eine Myokarditis festgestellt, heißt es mindestens drei Monate Sportpause.

Kein Trainingsplan ist dieses Risiko wert.

Schmerzmittel verschleiern die Symptome

Ibuprofen oder Paracetamol senken Fieber und lindern Schmerzen. Schneller gesund wirst du durch die Tabletten aber nicht.

Das ist für deine Entscheidungsfindung wichtig. Wenn du morgens eine Tablette einschmeißt, misst du in den nächsten Stunden keine echte Temperatur mehr. Zudem fühlst du dich fitter, als du eigentlich bist.

Gegen die Beschwerden darfst du sie nehmen. Nimm Ibuprofen oder Paracetamol aber niemals, um dein Training durchziehen zu können.

Dein Morgen-Check mit Ruhepuls und HRV

Körpergefühl und Vitalwerte widersprechen sich manchmal. An manchen Tagen schlägt dir deine Uhr Intervalle vor, obwohl du dich vom letzten Training noch schlapp fühlst. An anderen Tagen fühlst du dich bereit für eine neue Bestzeit, aber die Uhr rät dir zum Ruhetag.

Bei einem beginnenden Infekt ist dein Körpergefühl aber der schlechtere Ratgeber. Gerade wenn ein wichtiger Lauf ansteht, redest du dir Warnsignale gerne klein. Ruhepuls und HRV sind zwar nicht unfehlbar, aber sie haben keinen sportlichen Ehrgeiz.

Die Forschung dazu ist spannend. In einer Studie der Duke University konnten Daten eines Handgelenk-Sensors eine Rhinovirus-Infektion mit 88 Prozent Genauigkeit erkennen, teilweise bevor die ersten Symptome auftraten.

Ein Algorithmus aus Stanford schlug anhand des Ruhepulses bei 63 Prozent der Corona-Fälle an, bevor oder während die Symptome einsetzten.

Für deinen Alltag brauchst du zum Glück keine Labormesswerte. Dein Daily-Checkup ist ganz simpel:

  • Kenne deinen Normalwert (Baseline). Nimm den Schnitt deines Ruhepulses der vergangenen sieben Tage.
  • Trage die Uhr auch nachts, sobald dein Hals anfängt zu kratzen.
  • Liegt dein Ruhepuls mehr als zehn Schläge über deiner Baseline, ist eine Pause angesagt. Das gilt auch dann, wenn du dich (noch) gut fühlst.
  • Ist deine HRV (Herzfrequenzvariabilität, also die Schwankung der Abstände zwischen deinen Herzschlägen) deutlich unter dein Normalniveau gefallen und hast du Symptome, gilt ebenfalls Pause.
  • Sind Ruhepuls und HRV wieder auf der Baseline und sitzen die Symptome oberhalb des Halses, kannst du locker wieder ins Training einsteigen.

Genau diese Checkliste habe ich nach meiner Corona-Infektion sechs Wochen vor dem Köln-Marathon befolgt. Locker gelaufen bin ich erst wieder, als Ruhepuls und HRV in meinem normalen Bereich lagen. Mit dem Tempotraining habe ich deutlich später begonnen. Am Race-Day bin ich trotzdem Bestzeit gelaufen.

Ein Hinweis noch: Ein dauerhaft erhöhter Ruhepuls ist nicht immer ein Infekt. Er kann auch ein Warnsignal für Übertraining sein.

Und ganz wichtig: Weder das Internet noch eine KI oder deine Laufuhr ersetzen das Fieberthermometer oder den Gang zum Arzt.

So locker läufst du mit Erkältung

Hast du den Morgen-Check bestanden, kommt auch schon die nächste Falle, in die gerade ambitionierte Athleten tappen: das Tempo.

Ein Easy Run mit Erkältung ist deutlich langsamer, als du denkst. Nimm auf gar keinen Fall deine Standard-Pace, wenn du erkältet bist – du wirst relativ schnell merken, dass deine Herzfrequenz selbst bei langsamen Läufen überdurchschnittlich hoch ist.

Die Sportmedizin empfiehlt bei Erkältungssymptomen ohne Allgemeinsymptome 15 bis 30 Minuten täglich im aeroben Bereich. Wettkämpfe und intensive Belastungen sollst du meiden.

In der Praxis heißt das: Lauf unterhalb deiner Zone 2. Wenn du deine Trainingszonen kennst, bleib in Zone 1.

Falls du deine Trainingszonen nicht kennst: Lauf so langsam, dass du dich problemlos in ganzen Sätzen unterhalten könntest. Fühlt sich das Tempo fast lächerlich langsam an, läufst du in der richtigen Zone.

Damit aus deinem lockeren Lauf kein Rückfall wird, halte dich an diese Punkte:

  • Lauf eine kleine Runde um den Block. Im Falle eines Abbruchs bist du schnell wieder zu Hause.
  • Zieh eine Lage mehr an als sonst. Du läufst langsamer und kühlst schneller aus.
  • Spring direkt nach dem Lauf unter die warme Dusche und in trockene Klamotten. Absolvier dein Cool-down drinnen nach der Dusche statt draußen direkt nach dem Lauf.
  • Verzichte auf Strides auch wenn sie nur 20 Sekunden dauern. Auch kurze Steigerungen sind intensive Belastungen, die in dieser Phase nichts zu suchen haben.

Eine gute Alternative zum Lauftraining ist übrigens lockeres Radfahren. Die Belastung ist gleichmäßiger, und du kannst jederzeit aufhören, sofern du auf dem Rad-Trainer fährst.

Übertreib es aber nicht mit der Belastung. Schlaf ist jetzt das wichtigste Werkzeug für Regeneration. Trink genug und gönn dir die zusätzliche Stunde im Bett, statt 60 Minuten zu trainieren. Die gesammelten Kilometer haben hier ohnehin keinen Einfluss auf deine Form.

Läufer trinkt bei Erkältung ein Glas Wasser
Schlaf und genug trinken bringen dich jetzt weiter als jeder Kilometer

Meine Faustregel nach dem Lauf: Fühlst du dich danach schlechter als vorher, warst du zu schnell oder bist zu früh wieder eingestiegen. Plane einen Rest-Day ein und starte erst dann, wenn Körpergefühl und Vitalwerte stimmen.

Erkältet vor dem Wettkampf

Krankheiten haben eines gemeinsam: Sie kommen immer zum falschen Zeitpunkt.

Es gibt allerdings einen Grund, weshalb sich Läufer verstärkt in der heißen Wettkampfvorbereitung erkälten.

Athleten mit hohen Umfängen erkranken nachweislich häufiger. In einer großen Studie zum Los-Angeles-Marathon hatten Läufer mit mehr als 97 Wochenkilometern in den zwei Monaten vor dem Rennen eine doppelt so hohe Wahrscheinlichkeit für einen Infekt wie Läufer, die weniger als 32 Kilometer pro Woche gelaufen sind.

Das erhöhte Risiko betrifft vor allem harte Trainingsphasen und die ein bis zwei Wochen nach einem Rennen.

Eine Erkältung drei Wochen vor dem Marathon ist also nicht unbedingt Pech. Sie ist häufig einfach ein Nebeneffekt von hartem Training.

Entscheidend ist aber, wie du mit einem Infekt umgehst. Das ist abhängig davon, wie viel Zeit dir bis zum Wettkampf bleibt.

Mehr als zwei Wochen bis zum Start

Mehr als zwei Wochen vor deinem Race hast du noch ausreichend Zeit, um gesund und fit zu werden. Wende die Halsregel an und streich deine Schlüsseleinheiten, statt sie mit Erkältung durchzuziehen.

Nach einer leichten Erkältung kannst du nach zwei bis drei symptomfreien Tagen wieder voll trainieren.

Versuche jedoch nicht, Key-Sessions um jeden Preis nachzuholen. Lass die Schlüsseleinheit ohne schlechtes Gewissen ausfallen.

Erkältet in der Taperingphase

Im Tapering geht es nur noch darum, sich vollständig von der Trainingsbelastung zu erholen. An deiner Form feilst du während dieser Phase nicht mehr.

Das macht die Entscheidung leichter, als sie sich anfühlt. Musst du eine Einheit ausfallen lassen, verlierst du nichts. Verschleppst du dagegen den Infekt, stehst du schlecht erholt und abgeschlagen an der Startlinie.

In der Taperingphase ist das eigene Mindset besonders wichtig: Der Wettkampf steht kurz bevor und du hast ständig das Gefühl auf Spannung bleiben zu müssen. Ignoriere den Gedanken, dass du jetzt noch Kilometer sammeln oder Intervalle ballern müsstest.

Es ist wie am Vorabend einer wichtigen Prüfung: Was du jetzt nicht im Kopf hast, wirst du auch nicht mehr lernen. Du hast wochenlang an deiner Wettkampfform gefeilt, du willst sie mit frischen Beinen am Race-Day abrufen.

Die letzten 72 Stunden vor dem Rennen

Jetzt wird es kritisch. Hast du Fieber, Gliederschmerzen oder einen deutlich erhöhten Ruhepuls, solltest du nicht starten.

Viele Veranstalter bieten eine Ummeldung oder Übertragung des Startplatzes an, manche gegen ärztliches Attest. Die Regeln unterscheiden sich aber stark. Schau in die Teilnahmebedingungen deines Wettkampfs, ob du deinen Startplatz verschieben kannst.

Ein Did not start (DNS) ist zwar ärgerlich, aber nicht das Ende der Welt. Halte dir immer vor Augen: Du hast stark trainiert und deine Form aufgebaut. Die wird sich nicht von heute auf morgen in Luft auflösen.

Gleiches gilt übrigens auch dann, wenn du „nur“ einen Schnupfen hast. Die Sportmedizin rät auch bei Erkältungssymptomen ohne Allgemeinsymptome dazu, Wettkämpfe abzusagen.

Egal ob 5 oder 10 Kilometer, Halbmarathon oder Marathon – alle Wettkampfformate sind eine enorme Belastung für den Körper. Wenn du trotzdem startest, passe deine Erwartungshaltung an und setz dir ein langsameres Zeitziel. Sei bereit auszusteigen, sobald sich körperlich etwas falsch anfühlt.

Meine Erkältung drei Wochen vor Hamburg

2018 hat es mich mitten in meinem Projekt Breaking3 erwischt, drei Wochen vor dem Hamburg-Marathon, bei dem ich endlich die Drei-Stunden-Grenze knacken wollte.

Den ganzen Winter war ich kerngesund. Dann ein Lauf bei Regen, ein durchnässtes Longsleeve und zwölf kalte Kilometer.

Am nächsten Morgen bin ich mit einem Kratzen im Hals aufgewacht. Trotzdem bin ich acht lockere Kilometer gelaufen. Am Tag danach habe ich die Intervalle gestrichen. Am Freitag folgten fünf lockere Kilometer mit einigen Steigerungen, abgesprochen mit meinem damaligen Coach.

Am Samstag haben sich aus dem Kratzen echte Halsschmerzen entwickelt. Geplant waren eigentlich 30 Kilometer in angestrebter Race-Pace. Die Session habe ich natürlich verschoben. Stattdessen bin ich ganz easy zehn Kilometer gelaufen. Am Sonntag war die Nase dann dicht und an Laufen nicht mehr zu denken.

Damals habe ich mich für die zehn lockeren Kilometer gelobt. Heute bin ich schlauer: Ich würde meine Laufschuhe stehen lassen und meine Energie stattdessen in Schlaf, gesunde Ernährung und ausreichend Erholung investieren.

Bei einem Infekt, der sich gerade aufbaut, schadet die Belastung mehr, als sie deiner Fitness nützt. Die zehn Kilometer haben mir keinen Formzuwachs gebracht. Im Gegenteil: Sie haben meinem Körper Energie geraubt, die er zur Bekämpfung des Infekts gebraucht hätte.

Wie lange sollte man nach einer Erkältung nicht laufen?

Nach einer leichten Erkältung ohne Fieber kannst du nach zwei bis drei symptomfreien Tagen wieder normal trainieren.

Hattest du Fieber, Gliederschmerzen oder eine Grippe, startest du erst nach Abklingen aller Symptome mit zwei bis drei Tagen lockerem Training und steigerst dich über ein bis zwei Wochen. Diese Angaben entsprechen den Empfehlungen der Sportmedizin.

Beachte jedoch, dass die Zeiträume lediglich Richtwerte sind. Dein Ruhepuls, deine HRV und dein Körpergefühl spiegeln deine Genesung verlässlicher wider.

So viel Form kostet dich die Pause

Es ist paradox, doch die Angst vor dem Formverlust ist meist größer als der Formverlust selbst.

Die Forschung zum Detraining betrachtet Pausen von bis zu vier Wochen. In diesem Zeitraum sinken VO2max und Blutvolumen bei trainierten Athleten spürbar. Die drei, vier Tage Krankheitspause sind also weit vom Formverlust entfernt.

Was dich hingegen wirklich Form kostet, ist ein verschleppter Infekt. Aus drei Tagen Pause werden dann schnell zwei Wochen. Und die fehlen sowohl in der Vorbereitung als auch im Race.

Denk immer daran: Wenn du mit Krankheitsgefühl Intervalle ballerst, aber deine Zielpace nicht erreichst, gewinnst du nichts. Stattdessen verzögerst du deine Genesung, weil du deinen Körper zu früh wieder belastet hast.

So passt du deinen Trainingsplan an

Bei der Trainingsplanung gibt es eine wichtige Regel: Hol nichts nach. Verpasste Einheiten gehören zum Leben eines Läufers dazu, und das ist völlig okay.

Danach kommt es auf die Dauer der Pause an:

  • Ein bis drei Tage: Steig wieder in deinen Plan ein, lauf aber zunächst so viele Tage (sehr) locker, wie du pausiert hast.
  • Vier bis sieben Tage: Lauf die aktuelle Woche im Plan nur locker und lass die Key-Sessions weg. In der Folgewoche trainierst du wieder voll nach Plan.
  • Mehr als eine Woche: Starte mit einem strukturierten Wiedereinstieg nach Krankheit und spring danach in die Planwoche, die gerade aktiv ist.

Die Reihenfolge ist immer dieselbe: Teste deine Belastbarkeit zunächst mit kürzeren, lockeren Läufen. Danach kommen Long Runs zurück und erst zum Schluss Intervalle und Tempoeinheiten.

Trainierst du nach einem strukturierten 10-km-Plan und warst länger als eine Woche raus, prüf ehrlich, ob deine Zielzeit noch realistisch ist. Ein angepasstes Ziel ist besser als ein Rennen, bei dem du bei Kilometer 7 einbrichst.

Finish

Beim Laufen mit Erkältung gibt es keine allgemeingültige Antwort. Es ist eine Entscheidung, die du jeden Morgen neu treffen musst. Mit diesen drei Fragen triffst du sie zuverlässig.

  1. Sitzen deine Symptome oberhalb des Halses und hast du kein Fieber? Dann kannst du locker laufen.
  2. Steht eine harte Einheit an? Streich sie.
  3. Liegt dein Ruhepuls mehr als zehn Schläge über deiner Baseline? Dann bleibst du zu Hause, egal was dein Trainingsplan dir heute diktiert.

Und wenn du unsicher bist, entscheide dich zugunsten der Pause. Ein Tag mehr Ruhe bedeutet keinen Formverlust. Ein verschleppter Infekt kostet dich hingegen Wochen.

FAQ zum Laufen mit Erkältung

Kann man eine Erkältung ausschwitzen?

Nein. Schwitzen beschleunigt keine Genesung. Und Fieber zählt in der Sportmedizin zu den absoluten Gründen gegen Sport. Wenn du mit Fieber läufst, belastest du zusätzlich Herz und Kreislauf. Im schlimmsten Fall verlängerst du deine Erkältung, statt sie zu verkürzen.

Darf ich mit Erkältung Krafttraining machen?

Hier gelten dieselben Regeln wie beim Laufen. Bei leichten Symptomen oberhalb des Halses ist eine kurze Einheit mit leichten Gewichten möglich. Hast du Fieber, Gliederschmerzen oder fühlst du dich krank, bleibst du zu Hause. Maximalkraft-, High-Intensity- oder Hyrox-Training haben mit einer Erkältung nichts verloren.

Laufband oder draußen laufen bei Erkältung?

Draußen, wenn du dich warm genug anziehst. Im Fitnessstudio steckst du andere an. Zudem reizt die trockene Luft im Gym deine Schleimhäute. Lauf eine kurze Runde nah an deiner Wohnung, damit du jederzeit abbrechen kannst. Falls du ein eigenes Laufband besitzt, ist das eine gute Option, weil du die Geschwindigkeit perfekt einstellen kannst und so auch wirklich locker trainierst.

Warum werde ich nach einem Marathon krank?

Nach langen, intensiven Belastungen ist das Infektrisiko messbar erhöht. Plane die Woche nach deinem Marathon deshalb bewusst als Erholungswoche mit viel Schlaf und wenig Belastung.

Darf ich mit Erkältung zum Lauftreff?

Lieber nicht. Vor allem, wenn sich deine Running Community auf einen Wettkampf vorbereitet. Erkältungsviren verbreiten sich leicht über Tröpfchen und Hände – Händewaschen und Abstandhalten schützen deine Laufgruppe. Abstand halten klappt beim gemeinsamen Laufen kaum. Absolviere deine lockere Runde allein und stoße erst dann wieder zur Gruppe, wenn du wirklich symptomfrei bist.

Über den Autor

Robin Siegert

Ich laufe seit 2010, trainiere seit über zehn Jahren strukturiert und arbeite als Running-Coach. Hier schreibe ich über das, was im Training wirklich funktioniert. Verständlich und direkt umsetzbar.

2:34 h Marathon · Performance-Coach

Mehr über Robin

Hol dir the pacer – der newsletter, der dich weiterbringt

Kompakte Trainingsimpulse, klare Empfehlungen, smarter Input für mehr Tempo, Ausdauer und Power.

  • Konkrete Trainingsimpulse für deinen nächsten Lauf
  • Verständliche Ratschläge für Training, Athletik & Regeneration
  • Better Every Run – was dich sofort besser laufen lässt
  • Plus: Gratis E-Book: „37 Dehnübungen für Läufer“

Kein Spam. Du kannst dich jederzeit abmelden.

Dein nächster Schritt