Laufen nach Krankheit: So kehrst du sicher zurück ins Training

5. Januar 2026

Dein Hals kratzt, deine Nase läuft, du fühlst dich schlapp und abgeschlagen – und eigentlich wolltest du heute laufen?

Wir alle kennen dieses Gefühl, wenn sich eine Erkältung, eine Grippe oder ein anderer Infekt im Körper breitmacht.

Und meistens erwischt es dich zum ungünstigsten Zeitpunkt: Mitten in der Vorbereitung für einen wichtigen Wettkampf.

Viele ambitionierte Athleten steigen nach einer Krankheit zu früh wieder ins Lauftraining ein – aus Angst, wichtige Einheiten zu verpassen und die mühsam aufgebaute Form zu verlieren.

Startest du nach einem Infekt zu früh wieder mit intensiven Sessions, riskierst du nicht nur Rückfälle – du verschenkst auch wertvolles Leistungspotenzial.

In diesem Artikel erfährst du, wie du nach Krankheit sicher, effektiv und ohne Rückschläge wieder ins Lauftraining zurückkehrst.

Warum Läufer im Herbst und Winter besonders infektanfällig sind

Besonders im Herbst und im Winter wird das Thema „Laufen nach Krankheit“ besonders relevant. Denn sobald die Tage kürzer werden und die Temperaturen sinken, steigt gleichzeitig das Infektionsrisiko.

In geschlossenen Räumen verbreiten sich Viren leichter, trockene Luft reizt Schleimhäute und weniger Sonnenlicht bedeutet weniger Vitamin D – ein zentraler Baustein deiner Immunabwehr.

Für dich als Läufer kommt hinzu, dass dein Körper durch regelmäßiges Training ohnehin unter Stress steht.

Nach intensiven oder langen Einheiten kann das Immunsystem für einige Stunden leicht geschwächt sein. Bei diesem sogenannten „Open Window“-Effekt haben Krankheitserreger dann leichtes Spiel, Unheil anzurichten.

Ein Infekt ist ein echter Belastungstest für deinen Körper: Immunsystem, Herz und Kreislauf arbeiten auf Hochtouren, um dich wieder auf die Beine zu bringen.

Trainierst du trotz Infektion oder läufst du zu früh wieder los, riskierst du mehr als nur einen Leistungseinbruch: Herzmuskelentzündungen, chronische Erschöpfung oder langanhaltende Schwächen sind reale Gefahren.

Übst du dich hingegen in Geduld und kurierst dich vollständig aus, kehrst du am Ende stärker zurück als vor der Krankheit!

Grippe oder COVID: Wann kannst du nach einem Infekt wieder laufen?

Selbst wenn es dich noch so sehr in den Füßen juckt und du dich wegen verpasster Trainingseinheiten stresst: Bleib locker!

Erst wenn du wirklich symptomfrei bist, solltest du langsam wieder mit dem Laufen starten.

Mit Fieber, Kopf- und Gliederschmerzen oder Husten sollte niemand trainieren.

Ein guter Indikator ist dein Ruhepuls: Hat er sich wieder auf Normalniveau eingependelt, signalisiert dir dein Körper eine erste Belastbarkeit.

Dennoch ist wichtig, dass du dich nicht nur an Bio-Parametern orientierst.

Höre auf dein Körpergefühl: Fühlst du dich müde oder schlapp, dann brauchst du noch eine Sportpause.

Eine leichte Erkältung ist übrigens oft nach wenigen Tagen überstanden.

Eine echte Grippe oder eine COVID-Infektion erfordert deutlich mehr Erholungszeit. Da mögliche Langzeitschäden noch nicht abschließend identifiziert sind, ist bei der Rückkehr ins Training besondere Vorsicht geboten.

So gelingt der Wiedereinstieg ins Lauftraining nach Krankheit

Der Wiedereinstieg ins Training ist ein schmaler Grat – einerseits willst du den Infekt nicht verschleppen, andererseits keinen allzu großen Trainingsrückstand riskieren.

Die ersten Lauf-Versuche solltest du in jedem Fall mit sehr niedrigem Puls laufen. Falls du deine Trainingszonen kennst, bleib in Zone 1.

Falls du sie nicht kennst: Laufe bewusst sehr leicht. Wähle ein Tempo, bei dem du dich in ganzen Sätzen problemlos unterhalten kannst. Die Belastung sollte sich hierbei nicht nach „echtem“ Training fühlen.

Du kannst auch mit Wechselintervallen starten. Laufe hierbei zwei Minuten locker und gehe dann entspannt eine Minute lang – starte zunächst mit acht bis zehn Wiederholungen.

Alternativ-Training ist ebenfalls eine sinnvolle Option: Lockeres Radfahren, Aqua Jogging oder Walking bringen dein Herz-Kreislauf-System in Schwung, ohne es zu überlasten.

Egal, für welche Variante du dich entscheidest, das Ziel bleibt dasselbe: Du willst deinen Körper kontrolliert zur vollen Belastbarkeit bringen.

3-Wochen-Plan für einen strukturierten Wiedereinstieg nach Krankheit

Ein strukturierter Wiedereinstieg hilft dir nach einer Krankheit, zurück in den Trainingsalltag zu finden.

Ich selbst hatte sechs Wochen vor meinem Marathon in Köln eine Corona-Infektion.

Nach einer viertägigen Zwangspause bin ich mit einer lockeren 45-minütigen Radfahrt gestartet.

Die folgenden sieben Lauf-Einheiten habe ich bewusst kurz und locker gehalten. Parallel dazu habe ich täglich meinen Ruhepuls und meine Herzfrequenzvariabilität (HRV) überprüft, um besser einschätzen zu können, wie mein Körper die Belastung verarbeitet.

Erst als sich alle Werte wieder stabilisiert hatten, habe ich schrittweise Tempo-Einheiten ins Training integriert.

Woche

Fokus

Beispiel-Einheiten

Hinweise

1

Reaktivierung

2–4 × 20–30 Minuten Wechselintervalle (z. B. 2 Minuten Laufen und 1 Minuten Gehen)

Halte deinen Puls niedrig, achte auf deine Atmung und brich den Lauf bei Schwächegefühl frühzeitig ab.

2

Stabilisierung

2–3 × 30–40 Minuten lockerer Dauerlauf (Zone 1–2)

Höre auf dein Körpergefühl und halte ausreichend Pausen zwischen den Einheiten.

3

Aufbau

2–3 × 40–50 Minuten entspanntes Grundlagentraining

Steigere deine Umfänge moderat und verzichte zunächst auf Intervalle oder Tempoläufe.

Diese Fehler bremsen dein Comeback nach Krankheit

In den meisten Fällen ist es nicht dein Körper, sondern dein Kopf, der ein erfolgreiches Comeback verhindert.

Denn viele Athleten wollen nach einer kurzen Zwangspause direkt wieder an alte Umfänge und Intensitäten anknüpfen.

Das Ergebnis? Ein verschleppter Infekt, der dich erneut ausbremst oder langfristig dein Leistungspotenzial hemmt.

Diese Fehler solltest du daher unbedingt vermeiden:

  • Frühzeitige Belastungssteigerung
    Wer zu schnell zu viel will, riskiert Rückfälle oder anhaltende Erschöpfung. Gib deinem Körper Zeit, wieder belastbar zu werden.
  • Vergleiche mit der Leistung vor der Krankheit
    Dein früheres Tempo und die dazugehörigen Pulswerte sind aktuell wenig aussagekräftig. Entscheidend ist, dass du wieder vollständig gesund wirst – die Form kommt danach schneller zurück, als du denkst.
  • Ungeduld
    Nur weil du dich besser fühlst, heißt das nicht, dass du bereits voll belastbar bist. Steigere Umfang und Intensität langsam und behalte HRV sowie Ruhepuls im Blick.
  • Ignorieren von Warnsignalen
    Muskelschmerzen, schwere Beine und ein erhöhter Ruhepuls sind klare Signale deines Körpers. Nimm sie ernst.
  • Zu wenig Regeneration
    Selbst kurze, lockere Läufe erfordern Erholung. Plane bewusst Ruhetage ein – stärker wirst du in den Pausen.
  • Falsche Pace
    Laufe bewusst und kontrolliert in Zone 1-2 und widerstehe dem Drang, frühzeitig zu testen, was schon wieder geht.

Warum Geduld nach Krankheit der schnellste Weg zurück zur Form ist

Ob als Coach oder aus eigener Erfahrung: Wer sein Comeback smart plant, findet schnell zurück zur alten Form.

Ich weiß selbst, wie schwer es ist, in der direkten Wettkampfvorbereitung die Füße stillzuhalten.

Allerdings bin ich mittlerweile schlau genug, um meine Gesundheit nicht durch einen verfrühten Einstieg ins Lauftraining zu gefährden.

Eine Krankheit kommt immer zum falschen Zeitpunkt. Sieh es positiv und mach das Beste draus: Genieße deine lauffreien Tage und gib deinem Körper – aber auch deinem Kopf – die Möglichkeit für einen Neustart.

  1. Langsam steigern
    Bau dein Training nach einer Krankheit in kleinen Etappen auf, um Rückfälle und Überlastungen zu vermeiden. Steigere den Umfang – je nach Verfassung – behutsam von Woche zu Woche.
  2. Fokussiere dich auf Schlaf, Ernährung und dein Immunsystem
    Schlaf ist bei Infekten der absolute Gamechanger. In Kombination mit einer ausgewogenen Ernährung stärkst du dein Immunsystem und verkürzt gleichzeitig die Regenerationszeit.
  3. Mentale Akzeptanz
    Der wichtigste Punkt: Akzeptiere die Situation, in der du dich befindest. Eine Zwangspause ist kein Rückschritt, sondern Teil eines langfristigen Trainingsprozesses. Denk immer daran: Eine Krankheit zerstört nicht deine mühsam aufgebaute Fitness – sie beeinflusst sie nur temporär.

Checkliste: Wann und wie du nach Krankheit wieder mit dem Laufen startest

Bist du aktuell krank und willst jetzt schon wissen, wie du nach einem überstandenen Infekt wieder startest? Dann gönn dir an dieser Stelle zunächst noch ein paar Tage Ruhe.

Hast du deine Krankheit vollständig auskuriert, halte dich an diese kurze Checkliste.

  • Symptome beobachten
    Bist du symptomfrei – kein Fieber, kein Husten, kein Druck- oder Engegefühl in der Brust? Dann kannst du langsam wieder starten.
    Hast du noch leichte Symptome, warte lieber noch einen weiteren Tag, bevor du die Laufschuhe schnürst.
  • Ruhepuls kontrollieren
    Selbst wenn du deine Lauf-Uhr nachts sonst nicht trägst, ist jetzt ein guter Zeitpunkt dafür. Dein morgendlicher Ruhepuls ist ein verlässlicher Indikator für Erholung und Belastbarkeit. Liegt er wieder auf deinem Normalniveau, spricht das für eine gute Regeneration.
  • Ersten Lauf bewusst planen
    Starte mit einer kurzen, sehr lockeren Session. Maximal 30 Minuten – lieber zu langsam als zu schnell. Du willst keinen Trainingsreiz setzen, sondern deine Belastbarkeit prüfen.
  • Trainingstagebuch führen
    Dokumentiere nach jeder Einheit, wie du dich gefühlt hast: Ist dein Puls ungewöhnlich gestiegen? Hast du dich früh erschöpft gefühlt? So erkennst du, wie lang deine nächste Einheit sein sollte. Hast du dich gut gefühlt, erhöhe den Umfang um fünf bis zehn Minuten. Hast du dich unwohl gefühlt, reduziere Dauer oder Tempo.
Läufer beim lockeren Wiedereinstieg ins Traning nach Krankheit

Smart zurück zu alter Stärke

Nach einer Krankheit geht es nicht darum, so schnell wie möglich alte Trainingsmuster wieder aufzugreifen.

Es geht darum, bewusst und smart zurückzukehren.

Geduld ist dabei kein Zeichen von Schwäche, sondern von Vernunft. Denn sie entscheidet, ob du langfristig gesund und leistungsfähig bleibst oder den Infekt unnötig verschleppst.

Plane deinen Wiedereinstieg strukturiert und höre dabei auf dein Körpergefühl. Bio-Daten wie Ruhepuls und Herzfrequenzvariabilität liefern wichtige Hinweise darauf, wann dein Körper bereit für die erste Lauf-Einheit ist und wie er auf die Belastung reagiert.

Denk immer daran: Der Körper holt sich, was er braucht. Eine kurze Zwangspause wird deine Fitness nicht nachhaltig beeinträchtigen.

Im Gegenteil: Wer symptomfrei und gesund ins Lauftraining zurückkehrt, schafft die beste Basis, um seine Leistung langfristig zu steigern.

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