Mittlerweile ist der VIVAWEST Marathon in Gelsenkirchen ein fester Bestandteil meiner Saisonplanung. Sowohl der Marathon als auch der Halbmarathon finden jährlich im Frühjahr statt. Nach vier Teilnahmen in Folge bin noch lange nicht satt vom Lauf durch das Ruhrgebiet.

VIVAWEST Marathon 2017

Bei den letzten zwei Teilnahmen am VIVAWEST Marathon habe ich die 21,0975 km als langen Trainingsl absolviert. Während ich 2016 in einer konstanten Pace gelaufen bin, habe ich dieses Jahr etwas Neues probieren wollen:
Bis 10,5 km hatte ich eine Pace von 5:10 – 5:20 min/km geplant. Auf der zweiten Hälfte wollte ich meine Zielpace vom diesjährigen Marathon in Valencia laufen (4:37 min/km).

Während die Wettervorhersage für diesen Sonntag ein ideales Laufwetter prognostizierte, war ich mir ziemlich sicher, dass wir wahrscheinlich wieder mit 24 Grad und Sonne zu kämpfen haben werden. In weiser Voraussicht habe ich also das RUN SQUAD CGN Singlet eingepackt und insgeheim gehofft, dass ich nicht allzu stark frieren würde.

Das Frühstück ist die wichtigste Mahlzeit des Tages

Dieses Jahr musste ich etwas früher nach Gelsenkirchen aufbrechen als sonst. Normalerweise kombiniere ich den Lauf beim VIVAWEST Marathon mit einem Besuch bei meinen Eltern in der Heimat, um dann am Race Day gemeinsam in den Pott zu fahren. Das war dieses Jahr nicht drin, weshalb ich den Zug zum Gelsenkirchen Hbf nehmen musste. Das bedeutete für mich um 6 Uhr aufstehen und um 7.30 Uhr im Zug sitzen. Es blieb keine Zeit zum Frühstücken – die Overnight Oats wurden kurzerhand auf der Fahrt verspeist!

In Gelsenkirchen verlief alles wie die letzten Jahre zuvor: Parken an der Arena, Bahn zum Start nehmen, Kleiderbeutel-Abgabe und ab in den Startblock.

Um 10 Uhr war es dann auch schon wieder so warm, dass ich problemlos ohne Pulli an den Start gehen konnte und nicht einmal gefroren habe.

Pünktlich um 10.30 Uhr wurden wir dann mit der Konfetti-Kanone auf die Strecke geschickt.

Zu schnell auf den ersten Zehn

Der Klassiker bei Wettkämpfen: Schnell starten, langsam ins Ziel kommen – zumindest scheint das auf die meisten Hobby-Läufer zuzutreffen. Zugegeben, ich war auch viel zu schnell unterwegs, konnte mich aber auch nicht wirklich bremsen. Als die Uhr nach dem ersten Kilometer dann eine 4:56 min/km anzeigte, musste ich mich zwingen, langsamer zu laufen. Schließlich war der Halbmarathon mein Trainings- bzw. Testlauf: Ich wollte wissen, ob es mir gelingt, meine ausgetüftelte Race Strategy zu verfolgen.

Zwar gab es in diesem Jahr eine Änderung der Marathon-Strecke; die Halbmarathonis liefen aber wieder die Strecke der vergangenen Jahre.

Auf den ersten 10 Kilometern ging es also durch die alten Zechensiedlungen in Gelsenkirchen-Feldmark Richtung Essen, wo einmal um die Zeche Zollverein gelaufen wird. Die Stimmung hier ist genial: Ein älterer Herr peitscht die Läufer auf der Strecke um den Zollverein nochmal richtig an. Dabei scheut er nicht vor provokanten Fragen („Watt willst du mit dem Getränke-Gürtel – du läufst doch nur den Halben?!“). Ist natürlich jedem selber überlassen mit wieviel Gepäck er startet, über den Spruch musste ich dennoch ein wenig schmunzeln!

Tatsächlich war es wieder höllisch heiß – die erste Verpflegungsstelle bei Kilometer 3 habe ich direkt dafür genutzt, um mir einen Schwamm und ein Wasser zu nehmen, welches ich mir direkt über den Kopf gekippt habe. Im Endeffekt keine so gute Idee, da das nasse Singlet meine Brustwarzen enorm gereizt hat. Aber man lernt ja ständig dazu.

Nach dem Rundlauf um die alte Zeche ging es auf den Nordsternweg. Das, was ich in früheren Beiträgen gerne als die „grüne Hölle“ bezeichne.

Das Feld rollt man nur von hinten auf

Der Nordsternweg verläuft über rund fünf Kilometer Länge vom Zollverein in Essen zur Zeche Nordstern in Gelsenkirchen. Die ehemalige Bahntrasse ist mittlerweile stillgelegt und dient Radfahrern und Läufern als Verbindung zwischen Essen und Gelsenkirchen.

Die Strecke hier ist ziemlich schmal, weshalb das Überholen schwieriger wird. Man kann nicht eben von links oder rechts überholen, weil man sonst durch dichtes Gestrüpp laufen müsste.
Durch diesen Umstand findet man hier auch nur vereinzelt Zuschauer. Support bekommt man lediglich von den Brücken, denn hier stehen die meisten Fans. Wie mir meine Mutter im Nachgang erzählte, ist das der ideale Punkt zum Anfeuern, weil von hier aus ein weiterer HotSpot der Strecke problemlos erreicht werden kann.

Bei Kilometer 10 hatte ich eine Durchgangszeit von 50:41min – das heißt eine Durchschnitts-Pace von 5:04 min/km. Etwas zu schnell. Wettkampf halt.
Ab dem Moment wurde natürlich auch das Tempo angezogen. Ich hatte Glück, dass der Nordsternweg fast durchlaufen war und die Straßen wieder etwas breiter wurden. So hinderte mich nichts daran, dass Feld von hinten aufzumischen!

Achtung, Staffel!

Ich bin überhaupt kein Schönwetter-Läufer. Ganz im Gegenteil – Laufen im Regen macht mir sogar richtig Spaß. Wenn ich aber zwischen extremer Hitze und extremer Kälte wählen müsste, würde ich mich immer wieder für das Laufen bei 25 Grad entscheiden.

Daher hatte ich auch keinerlei Probleme mit der Sonne. Das  angestrebte Tempo von 4:37 min/km habe  dann auch halten können. Tatsächlich bin ich sogar wieder zu schnell gelaufen. Für den Trainingseffekt sicherlich nicht ganz so förderlich, für den Wettkampf-Gedanken aber umso besser.

Zum Training gehört auch, die Getränkeaufnahme richtig auszuführen. Dank Pappbecher war das beim VIVAWEST Marathon auch überhaupt kein Problem: Den Becher oben zusammengedrückt und fix eine Schnabeltasse gebaut. Klappt super. Ich habe mich dazu gezwungen, bei jeder Verpflegungsstelle einen Schwamm und einen Becher Wasser zu nehmen – das wird auch meine Verpflegungsstrategie für die zukünftigen Marathons sein. So ein Nahrungsaufnahme-Debakel wie in Hamburg 2016 möchte ich nicht nochmal erleben.

Als es ab Kilometer 15 durch den Nordsternpark ging, hatte ich plötzlich wieder die 1:45h Pacegruppe vor mir. Beim Überholen der größeren Gruppe hörte ich nur „Achtung , Staffel!“, wo ich mich kurz drüber geärgert habe. Entweder habe ich noch so frisch ausgesehen, dass man nicht vermutet hat bereits 15 Kilometer gelaufen zu sein. Oder man hat mir so ein Tempo nicht auf die volle Distanz zugetraut. Zugegeben: Es sieht schon komisch aus, wenn da jemand von hinten angepest kommt. Normalerweise laufen die „Schnellen“ ja vorne weg.

Auf den letzten Zügen des VIVAWEST Marathons geht es nochmal durch die Gelsenkirchener Vororte. Da wird dann auch wieder etwas mehr Stimmung gemacht.
Um Kilometer 20 rum wurde ich dann von der Führungstruppe des Marathons eingeholt. Ich habe wirklich kurz mit dem Gedanken gespielt, mich für wenige Sekunden an deren Fersen zu hängen. Aber  das war absolut nicht machbar. Während ich mit meinen „gemütlichen“ 15 km/h die Strecke lief, hatten die Jungs ihre 20 km/h auf die Straße gebracht. Und das über 42,195 Kilometer.

Nichtsdestotrotz haben mich die Jungs inspiriert. Meinen letzten Kilometer bin ich in 4:13 min/km gelaufen. Auf der Zielgerade konnte ich sogar noch einen kurzen Spurt einlegen, um in 1:41:08 ins Ziel zu kommen.

Neue Bestzeiten und ein Selfie!

Ich stoppte meine Uhr und war super überrascht, dass ich nicht nur eine neue Bestzeit im Halbmarathon, sondern auch gleich eine neue Bestzeit über 10k gelaufen bin.
Entsprechend glücklich schnappte ich mir meine Medaille und ging in Richtung Verpflegung. Dummerweise hatte das Wetter keinen positiven Einfluss auf meinen Hunger. Stattdessen schnappte ich mir das obligatorische alkoholfreie Weizen und schüttelte meine Beine aus.

Als wären die neuen Bestzeiten nicht schon das Highlight des Tages, habe ich noch Sascha Kowalski von Willpower Running im Zielbereich getroffen. Über das Thema Instagram sind wir ins Gespräch gekommen. Er hat mir dann erzählt, dass er die Woche vor dem VIVAWEST Marathon den Transvulcania 2017 gelaufen ist. Dieser Ultramarathon ist nicht nur über 74 Kilometer lang, sondern geht dabei noch über 8407 Höhenmeter. Und nur eine Woche später ist Sascha Pacer für Sub90min. Ein überaus inspirierender und motivierender Mensch.
Bevor ich duschen gegangen bin, habe ich selbstverständlich noch ein Selfie mit ihm gemacht!

Im Ziel mit Sascha Kowalski | Vivawest Marathon 2017
Im Ziel vom VIVAWEST Marathon habe ich Sascha Kowalski von Willpower Running getroffen. Eine Woche zuvor lief Sascha den Transvulcania 2017 - ein Ultramarathon über 74 KM und 8407 Höhenmeter.

Meine wärmste Empfehlung

Ich kann nur nochmals betonen, wie sehr mir der VIVAWEST Marathon gefällt. Abgesehen von der Strecke und dem immer-gutem-Wetter, zeigt sich das Ruhrgebiet hier von seiner charmanteren Seite.
Das Preisleistungsverhältnis ist derzeit wirklich unschlagbar, was sich an den stetig steigenden Teilnehmerzahlen wiederspiegelt (mittlerweile 9.100 Teilnehmer). Die Verpflegung auf der Strecke und im Zielbereich ist ausreichend. Trotz Staffelmarathon, 10k Läufe, Schulläufe, Marathon und Halbmarathon ist reichlich Essen/Trinken vorhanden. Man geht definitiv nicht leer aus.

Meine persönlichen Ziele habe ich an diesem Tag definitiv erfüllt. Die neuen Bestzeiten sind natürlich ein schönes Nebenprodukt. Mir war es nur wichtig zu sehen, wo mein aktuelles Leistungsniveau ist und wie ich mich über 21k pacen kann. Bei genauer Betrachtung bin ich die ersten 10k für einen GA1-Trainingslauf zu schnell gelaufen, die zweiten 10k für einen GA2-Lauf ebenfalls. Ich müsste mal analysieren, inwiefern der Halbmarathon dann tatsächlich als Trainingslauf durchgeht.

Aber mal ganz ehrlich – bei so einem Lauf muss man fünf dann auch mal gerade sein lassen.

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