VO2max steigern: Die 3 effektivsten Trainingsmethoden für Läufer

Veröffentlicht: 28. August 2020

Aktualisiert: 19. April 2026

TL;DR

Du steigerst deine VO2max nur, wenn du ausreichend Zeit im hochintensiven Bereich nahe deiner maximalen Sauerstoffaufnahme trainierst. Genau das erreichst du mit Intervallformaten wie der norwegischen 4×4-Methode (Norwegian Protocol), 30/30-Intervallen und Bergläufen. Eine Einheit pro Woche reicht als Einstieg, wenn du die entsprechende Grundlagenausdauer hast. Der häufigste Fehler: Du läufst deine Intervalle zu hart, brichst früh ein und verlierst genau die effektive Zeit im oberen Belastungsbereich.

Du läufst regelmäßig, ziehst deine Einheiten durch und trotzdem zeigt deine Laufuhr seit Wochen denselben VO2max-Wert?

Das Problem: Dein Training fühlt sich hart an, aber du verbringst zu wenig Zeit im entscheidenden hochintensiven Bereich, um deine VO2max zu steigern.

In diesem Artikel zeige ich dir konkrete Intervalleinheiten, mit denen du deine VO2max verbesserst und wie du sie sinnvoll in deine Trainingswoche einbaust.

Du bekommst einen einfachen Plan, den du direkt umsetzen kannst.

Wenn du zusätzlich verstehen willst, warum genau diese Methoden funktionieren und warum lockeres Training allein nicht reicht, findest du den Theorie-Teil am Ende des Artikels.

Mit diesen Methoden steigerst du deine VO2max

Eine Meta-Analyse mit 53 Studien zeigt klar: Intensive Einheiten sind VO2max-Booster.

Trainierst du regelmäßig im Bereich nahe deiner maximalen Sauerstoffaufnahme, verbesserst du deine VO2max deutlich schneller, als wenn du überwiegend locker läufst.

Drei Methoden funktionieren in der Praxis besonders zuverlässig und lassen sich direkt umsetzen.

Wichtig vorab: Ohne eine solide Grundlagenausdauer bringen intensive Intervalle wenig. Wenn du gerade erst mit dem Laufen angefangen hast, bau zuerst eine aerobe Basis auf, bevor du gezielt an deiner VO2max arbeitest.

Norwegian Protocol (norwegische 4×4-Methode)

Die 4×4-Methode hat sich über Jahre als Goldstandard im VO2max-Training etabliert.

Die norwegischen Sportwissenschaftler Jan Helgerud und Jan Hoff haben die Methode entwickelt, weshalb sie auch als „Norwegian Protocol“ bekannt ist.

Das Prinzip: Du läufst 4 Intervalle à 4 Minuten bei 85–95 % deiner HFmax. Dazwischen sind dreiminütige Trabpausen geplant.

So führst du die Einheit durch: Wärme dich zunächst 10–15 Minuten lang auf. Ein anschließendes Lauf-ABC bereitet dich ideal auf die bevorstehende Belastung vor.

Laufe vier Minuten lang bei 85–95 % deiner HFmax, dazwischen trabst du drei Minuten locker, um deine Herzfrequenz auf Zone-2-Niveau zu bringen.

Nach der Einheit solltest du dich 10–15 Minuten lang locker auslaufen. Das unterstützt den Laktatabbau und die Regeneration.

Der wichtigste Punkt: Starte nicht zu schnell. Versuche die Ziel-Herzfrequenz bereits beim ersten Intervall sauber zu treffen, statt darüber hinaus zu schießen.

Gehst du das erste Intervall zu schnell an, leidet die Qualität der Einheit. Ein höheres Tempo bringt keinen zusätzlichen VO2max-Reiz. Im Gegenteil: Du baust früh Laktat auf und riskierst, die letzten Intervalle nicht mehr im vorgegebenen Herzfrequenzbereich zu laufen.

Ziel ist also nicht, alle Intervalle all out zu laufen, sondern möglichst viel Zeit nahe deiner VO2max zu bleiben.

Du kannst die Intervall-Einheit variieren. Einsteiger können direkt mit der 4×4-Methode starten, erfahrene Läufer können entweder mehr Wiederholungen absolvieren oder die Intervallzeit erhöhen.

Wenn das VO2max-Training für rund 20 Minuten geplant ist, könntest du also auch 5x 4 Minuten oder 3x 6 Minuten laufen.

Wichtig ist, dass Gesamtzeit und Intensität stimmen und du alle Wiederholungen im richtigen Herzfrequenzbereich absolvieren kannst.

4 Minuten Belastung und 3 Minuten Pause – die norwegische 4×4-Methode ist das beste Training zur Steigerung deiner VO2max

Intermittierendes Training (30/30 und 60/60)

Intermittierende Intervalle sind der einfachste Weg, um ins VO2max-Training einzusteigen.

Im Gegensatz zur 4×4-Methode musst du die Belastung nicht mehrere Minuten am Stück halten. Stattdessen wechselst du kurze, intensive Abschnitte mit kurzen Pausen.

Deine Herzfrequenz bleibt so über die gesamte Einheit im richtigen Bereich.

Das macht diese Methode besonders effektiv, wenn du neu im Tempotraining bist oder Schwierigkeiten hast, längere Intervalle sauber durchzuziehen.

Zwei Varianten haben sich bewährt.

30/30-Methode nach Billat

Die 30/30-Methode zielt darauf ab, möglichst viel Zeit in der Nähe deiner VO2max zu sammeln, ohne dass du durchgehend am Limit laufen musst.

Wichtig: Deine Herzfrequenz reagiert auf 30-Sekunden-Belastungen zu langsam. Deshalb steuerst du diese Einheit nicht über die Herzfrequenz, sondern über deine Pace.

So ermittelst du deine Intervallpace: Laufe sechs Minuten lang mit maximalem, gleichmäßigem Tempo.

Nutze dann einen Pacerechner, um deine Intervallpace zu berechnen.

Beispiel: Bist du in sechs Minuten 1.400 Meter gelaufen, ist deine Intervallpace 4:17 min/km.

So führst du die 30/30-Methode durch: Laufe 30 Sekunden in deiner ermittelten Intervallpace. Danach folgen 30 Sekunden im sehr lockeren Trab. Sobald du die Pace bei einem Intervall nicht mehr sauber triffst, beendest du die Einheit. Du läufst 30/30er bis zur vollständigen Erschöpfung.

Du solltest zu Beginn zwischen 18 und 25 Wiederholungen anpeilen. Wenn du gerade erst mit der 30/30-Methode startest, wirst du vermutlich 18 Wiederholungen schaffen.

Je öfter du das VO2max-Training durchführst, desto mehr Wiederholungen wirst du absolvieren können.

60/60-Variante:

Die 60/60-Methode funktioniert nach dem gleichen Prinzip, lässt sich aber einfacher über die Herzfrequenz steuern.

Die längeren Belastungsphasen geben deiner Herzfrequenz genug Zeit, um auf die Intensität zu reagieren. Somit brauchst du keine Pace-Vorgabe.

So führst du die 60/60-Methode durch: Lauf 60 Sekunden bei 90–95 % deiner HFmax. Danach folgen 60 Sekunden lockeres Traben. 8–12 Wiederholungen sind ein solider Einstieg.

Diese Variante ist besonders geeignet, wenn du bereits ein Gefühl für dein Tempo hast und längere Belastungen aufrechthalten kannst.

Wann sind intermittierende Intervalle sinnvoll?

Intermittierende Einheiten sind kein Ersatz für klassische VO2max-Intervalle, sondern ein Einstieg ins hochintensive Tempotraining.

Sie eignen sich vor allem dann, wenn du längere Intervalle noch nicht sauber laufen kannst.

Durch die kurzen Belastungsphasen kannst du hohe Intensitätsbereiche besser erreichen, ohne die Einheit erschöpft abbrechen zu müssen.

Gleichzeitig kannst du intermittierende Intervalle absolvieren, wenn du wenig Zeit hast, du aber trotzdem einen Temporeiz setzen willst.

Die gesamte hochintensive Zeit liegt meist nur bei 5 bis 12 Minuten. Das wirkt wenig, reicht aber aus, um deine VO2max zu verbessern.

Das intermittierende Intervalltraining zeichnet sich durch kurze Belastungs- und kurze Erholungsphasen aus. Im Gegensatz zur 4×4-Methode bleibt deine Herzfrequenz durch die kurzen Pausen dauerhaft erhöht

Bergläufe

Bergläufe sind ein Hidden Champion.

Läufst du bergauf, erreichst du deinen Herzfrequenzbereich, ohne dabei so schnell wie im Flachen laufen zu müssen.

Bergläufe sind also ideal, wenn du hohe Geschwindigkeiten nicht sauber laufen kannst, weil die Lauftechnik noch nicht geschult wurde.

Im Vergleich zu flachen Intervallen entlastest du gleichzeitig deine Gelenke. Perfekt für verletzungsanfällige Läufer.

Voraussetzung ist ein langer Anstieg zwischen 10 bis 15 %. Alternativ kannst du Berg-Intervalle auf dem Laufband absolvieren.

Eine bewährte Einheit: 8–10x 2 Minuten bei 10–15 % Steigung und bei 85–92 % deiner HFmax. Dazwischen trabst du 2 Minuten locker.

Trainierst du am Berg, laufe langsam wieder bergab. Nutzt du ein Laufband, dann behalte die Steigung bei, trabe aber ganz entspannt, damit deine Herzfrequenz sinkt.

Wichtig: Berg-Intervalle sind etwas tricky, weil man meist zu schnell startet und die letzten Wiederholungen an Qualität verlieren.

Starte daher konservativ, um die Belastung richtig einschätzen zu können. Deine Ziel-Herzfrequenz solltest du erst ab dem vierten Intervall erreichen.

Wie viel VO2max-Training brauchst du wirklich?

VO2max-Training entfaltet seine Wirkung erst dann richtig, wenn du regelmäßig läufst. Mit zwei Einheiten pro Woche solltest du den Fokus klar auf deine Grundlagenausdauer legen.

Erst ab drei Läufen pro Woche lohnt es sich, intensive Reize einzubauen.

Trainierst du häufiger, kannst du den Anteil an Tempotraining erhöhen. Ab etwa fünf Laufeinheiten pro Woche sind zwei intensive Sessions sinnvoll, vorausgesetzt, du verkraftest die Belastung.

Entscheidend ist dabei nicht die Anzahl der harten Einheiten, sondern deren Qualität.

Plane zwischen zwei intensiven Einheiten mindestens 48 Stunden Pause ein, damit du erholt in die nächste Tempo-Session startest und du das Workout auch nach Vorgabe durchziehen kannst.

Viele Läufer machen einen schwerwiegenden Fehler: Sie trainieren zu hart.

Physiologische Anpassungen entstehen in der Erholung, nicht während der Belastung. Gib deinem Körper die Chance, Trainingsreize zu verarbeiten.

Ziehst du das VO2max-Training konsequent durch, kannst du nach vier bis sechs Wochen erste Leistungssprünge erwarten. Die größten Anpassungen finden in den ersten acht bis zwölf Wochen statt, bevor sich die Entwicklung deiner VO2max deutlich verlangsamt.

So sieht eine typische VO2max-Trainingswoche aus

So setzt du VO2max-Training konkret in einer Woche mit vier Laufeinheiten um:

Tag

Workout

Fokus

Montag

Ruhe oder 20–30 min Mobility

Regeneration

Dienstag

Lockerer Dauerlauf 30–45 min + 4–6 Strides

Aerobe Basis & Technik

Mittwoch

15 min WarmUp, 15 min Lauf-ABC, 4×4-Methode oder 30/30-Intervalle bis du die Zielpace nicht mehr sauber halten kannst, 15 min CoolDown

VO2max-Training

Donnerstag

30–45 min Kraft- und Stabilisationstraining

Stabilität, Belastungstoleranz & Verletzungsprävention

Freitag

Lockerer Dauerlauf 45–60 min

Aerobe Basis

Samstag

Ruhe oder 20–30 min Mobility

Regeneration

Sonntag

60–90 min langer Dauerlauf (Longrun)

Aerobe Basis

Die meisten Läufer absolvieren ihren Longrun am Sonntag, daher bietet sich der Mittwoch für die VO2max-Einheit an.

Wichtiger als der konkrete Wochentag, ist jedoch der Abstand zwischen den Einheiten. Plane dein Tempotraining so, dass du davor und danach ausreichend Zeit zur Regeneration hast.

Dieses Beispiel berücksichtigt ausschließlich Laufeinheiten. Fährst du nebenbei noch Rad oder gehst Schwimmen, ersetze deine Ruhetage mit der entsprechenden Einheit.

Auch hier gilt: Halte die Intensität bewusst niedrig, damit deine Regeneration nicht leidet.

Zone-2-Training als Fundament

Regelmäßiges Laufen in Zone 2 ist kein direktes VO2max-Training, aber die Grundlage dafür, dass deine Tempoeinheiten überhaupt wirken.

Bei lockeren Dauerläufen im Bereich von etwa 60–70 % deiner HFmax verbesserst du deine aerobe Basis. Dein Körper bildet mehr Kapillaren, erhöht die Mitochondriendichte und lernt, Energie effizienter bereitzustellen.

Das steigert nicht nur langfristig deine VO2max, sondern vor allem deine Belastungsverträglichkeit. Mit einer ausreichenden Grundlagenausdauer kannst du intensive Einheiten wesentlich besser verkraften.

Ohne diese aerobe Basis bringen dir selbst die besten Intervalle wenig. Du wirst früher ermüden, langsamer regenerieren und dein Training schlechter umsetzen können.

Deshalb gilt die 80/20-Regel als zentrales Prinzip im Ausdauertraining: Rund 80 % deiner Einheiten läufst du locker, etwa 20 % intensiv.

Gerät dieses Verhältnis aus dem Gleichgewicht, steigt das Risiko für Überlastung und Verletzungen deutlich. Gleichzeitig sinkt die Qualität deiner harten Einheiten und damit auch der eigentliche Trainingseffekt.

Was ist ein guter VO2max-Wert für Läufer?

Jetzt weißt du, wie du trainierst. Die nächste Frage ist: Wo stehst du mit deiner VO2max im direkten Vergleich mit anderen Läufern?

Zum Verständnis: In der Leistungsdiagnostik gilt die maximale Sauerstoffaufnahme als wichtiger Indikator für deine Ausdauerleistung.

Sie wird in ml/kg/min angegeben. Das bedeutet: Die VO2max gibt an, wie viel Sauerstoff der Körper pro Minute und Kilogramm Körpergewicht verwerten kann.

Alter, Geschlecht und Genetik haben dabei einen großen Einfluss, deshalb lassen sich Werte nur sinnvoll im Kontext einordnen.

VO2max-Tabelle für Männer (ml/kg/min)

Altersgruppe

Niedrig

Durchschnittlich

Gut

Sehr gut

20–29 Jahre

< 38

38–44

45–52

> 52

30–39 Jahre

< 34

34–40

41–48

> 48

40–49 Jahre

< 30

30–36

37–44

> 44

50–59 Jahre

< 26

26–32

33–40

> 40

60+ Jahre

< 22

22–28

29–36

> 36

VO2max-Tabelle für Frauen (ml/kg/min)

Altersgruppe

Niedrig

Durchschnittlich

Gut

Sehr gut

20–29 Jahre

< 32

32–38

39–45

> 45

30–39 Jahre

< 29

29–35

36–42

> 42

40–49 Jahre

< 26

26–32

33–39

> 39

50–59 Jahre

< 23

23–28

29–36

> 36

60+ Jahre

< 20

20–25

26–33

> 33

Als ambitionierter Hobbyläufer mit Marathonzeiten unter 3:30 Stunden bewegst du dich meist im Bereich von etwa 50 bis 60 ml/kg/min.

Frauen liegen physiologisch bedingt im Schnitt rund 10 % darunter, ohne dass sich ihr Entwicklungspotenzial dadurch verändert.

Mach dir keine Sorgen, in welcher Kategorie du laut der Tabelle landest. Eine steigende VO2max über mehrere Wochen und Monate ist ein deutlich besserer Indikator für Fortschritt als der absolute Wert an sich.

Weltklasse-Ausdauersportler erreichen teilweise Werte jenseits der 90 ml/kg/min. Das ist genetisches Ausnahmeniveau und kein realistischer Maßstab für dein Training.

Zum Vergleich: Die VO2max von Eliud Kipchoge wird auf 78 ml/kg/min geschätzt. Das beweist, dass nicht nur maximale Sauerstoffaufnahme entscheidend ist, sondern vor allem auch Laufökonomie und Ermüdungsresistenz.

Deshalb steigt deine VO2max nicht

Du läufst regelmäßig, aber dein VO2max-Wert stagniert oder schlimmer noch – er fällt?

In den meisten Fällen liegt das an der Umsetzung und nicht am Training an sich.

Fehlende Intensität

Viele laufen immer die gleiche Runde und immer im selben Tempo. Meistens ist das nicht locker genug für Zone 2, aber auch nicht hart genug für einen klaren VO2max-Reiz.

Dieser Graubereich fühlt sich zwar anstrengend an, verbessert aber nicht deine VO2max.

Entscheidend ist, dass du regelmäßig Einheiten im Bereich von etwa 85–95 % deiner HFmax läufst. Ohne diesen Reiz fehlt deinem Training die nötige Intensität, um deine maximale Sauerstoffaufnahme zu steigern.

Ein konstantes Tempo ist beim Intervalltraining wichtig, da dir ansonsten die Kraft fehlt, um die verbleibenden Intervalle an der VO2max zu laufen

Mangelnde Regeneration

Der Reiz entsteht im Training, die Anpassung danach.

Trainierst du also zu intensiv, bevor dein Körper den neuen Reiz verkraften kann, summiert sich die Ermüdung.

Plane zwischen zwei harten Einheiten mindestens 48 Stunden Abstand ein. Nur so kannst du die nächste Session mit der nötigen Qualität absolvieren.

Und vergiss die 80/20-Regel nicht: Halte dich daran, nur 20 Prozent deines Umfangs intensiv zu gestalten.

Veraltetes Gewicht in der Laufuhr

Die VO2max wird relativ zum Körpergewicht berechnet. Ein veralteter Wert in deiner Laufuhr verfälscht das Ergebnis sofort.

Aktualisiere dein Gewicht in den Einstellungen, sobald es sich verändert hat. Sonst interpretierst du möglicherweise Leistungssprünge oder Rückschritte falsch.

Falsche HF-Zonen

Die Messung am Handgelenk ist in den letzten Jahren deutlich besser geworden, bleibt aber anfälliger für Störungen. Ein lockerer Sitz der Uhr oder starkes Schwitzen können die Werte verfälschen.

Entscheidend ist nicht perfekte Genauigkeit, sondern Konsistenz.

Das bedeutet: Schaffe immer dieselben Bedingungen, um abweichende Messwerte zu vermeiden.

Wenn du mit Handgelenksmessung trainierst, trage deine Uhr immer an derselben Stelle und ziehe sie gleich fest an. Nur so entsteht eine stabile Vergleichsbasis, auf der du deine Einheiten zuverlässig steuern kannst.

Das gilt vor allem für die Ermittlung deiner maximalen Herzfrequenz. Werte, die mit einem Brustgurt bei einer Leistungsdiagnostik gemessen wurden, können stark von der Handgelenksmessung abweichen und somit die Trainingszonen verschieben.

Trainierst du mit falschen Zonen, triffst du die entscheidenden Intensitätsbereiche nicht. Du setzt somit keinen ausreichenden VO2max-Reiz.

Was ist die VO2max überhaupt?

Für alle, die verstehen wollen, was hinter dem Wert steckt:

Die VO2max beschreibt die maximale Sauerstoffmenge, die dein Körper unter Höchstbelastung aufnehmen, transportieren und in der Muskulatur verwerten kann. Sie wird in ml/kg/min angegeben.

Zeigt deine Laufuhr also 52 an, kann dein Körper bei maximaler Anstrengung 52 Milliliter Sauerstoff pro Kilogramm Körpergewicht und Minute nutzen.

Physiologisch bestimmen drei Faktoren deine VO2max: wie viel Blut dein Herz pro Minute pumpt (Herzminutenvolumen), wie effizient der Sauerstoff über das Hämoglobin transportiert wird und wie gut deine Muskulatur diesen Sauerstoff in den Mitochondrien verwerten kann.

Vereinfacht gesagt: Die VO2max zeigt, wie groß dein aerober Motor ist. Aber ein großer Motor allein gewinnt kein Rennen.

Am Ende zählt, wie effizient du diese Leistung auf die Straße bringst. Die VO2max ist deshalb nur ein Teil des Bildes. Laufökonomie und Ermüdungsresistenz entscheiden genauso über deine Leistung.

Wie stark kannst du deine VO2max verbessern?

Die ehrliche Antwort: Es kommt auf deinen Ausgangswert an.

Eine Meta-Analyse von Milanović et al., die 28 kontrollierte Studien mit 723 Teilnehmern auswertete, zeigt: High Intensity Interval Training (HIIT) führt im Schnitt zu größeren VO2max-Zuwächsen als klassisches Ausdauertraining. Die Probanden starteten im Mittel bei etwa 41 ml/kg/min und verbesserten sich durch hochintensives Training um rund 5 ml/kg/min innerhalb weniger Wochen.

Je weniger intensives Training du bislang absolviert hast, desto größer ist dein Potenzial für Verbesserungen.

Gut trainierte Ausdauersportler steigern sich langsamer, profitieren aber ebenfalls von gezielten Reizen.

Mit konsequentem Training über mehrere Jahre sind deutliche Verbesserungen möglich, auch wenn die Fortschritte mit zunehmendem Trainingsniveau kleiner werden.

Gleichzeitig gilt: Ohne Training sinkt deine VO2max ab etwa dem 30. Lebensjahr im Schnitt um rund 1 % pro Jahr.

Regelmäßiges Training kann diesen Rückgang laut einer Langzeitstudie von Rogers et al. auf rund 0,5 % pro Jahr halbieren.

Was deine VO2max wirklich über deine Leistung aussagt

Die VO2max ist dein aerober Motor. Wie gut du ihn nutzen kannst, hängt von drei Faktoren ab.

Der VO2max selbst, die Ausnutzungsrate (wie nah du an deiner maximalen Sauerstoffaufnahme dauerhaft laufen kannst) und die Laufökonomie (wie viel Sauerstoff du für ein bestimmtes Tempo brauchst).

In der Realität sieht es so aus: An der Startlinie eines 10-Kilometer-Wettkampfs stehen zwei Läufer mit gleicher VO2max.

Der eine läuft technisch sauber, mit ruhigem Oberkörper und effizientem Abdruck.

Der andere kämpft mit einer ineffizienten Körperhaltung, übermäßigem Armeinsatz und einem unrunden Laufstil.

Beide Läufer haben zwar denselben Motor – also dieselbe VO2max –, aber einer verbraucht bei jedem Kilometer weniger Sauerstoff und ist am Ende schneller im Ziel.

Genau deshalb kann ein Läufer mit einer VO2max von 48 einen 10-Kilometer-Lauf schneller absolvieren als jemand mit einem Wert von 55. Vorausgesetzt, er läuft effizienter und kann einen höheren Prozentsatz seiner VO2max dauerhaft abrufen.

Der VO2max-Wert deiner Laufuhr ist eine nützliche Orientierung, aber für die meisten in der Praxis nur eine Vanity Metric: eine Zahl, die gut aussieht, aber nichts darüber aussagt, wie schnell du wirklich läufst.

Am Ende zählt deine Wettkampf-Zeit, nicht der VO2max-Wert auf deiner Laufuhr.

Wie genau ist die VO2max bei Garmin?

Garmin setzt bei der VO2max-Berechnung auf die Messtechnologie des finnischen Unternehmens Firstbeat.

In einer Validierungsstudie mit 79 Läufern und über 2.690 Trainingsläufen lagen 95 % der Messergebnisse innerhalb einer Abweichung von 3,5 ml/kg/min gegenüber Labormessungen.

Für einen Richtwert ist das bemerkenswert präzise, trotzdem solltest du zwei Einschränkungen kennen.

Die Messung deiner Herzfrequenz am Handgelenk ist anfällig: Schweiß, ein zu lockerer Sitz der Uhr oder eine schlechte Durchblutung der Extremitäten verfälschen die Messwerte. Ein Brustgurt liefert deutlich zuverlässigere Daten.

Dein Gewicht muss in den Einstellungen deiner Laufuhr aktuell sein. Die VO2max berechnet sich relativ zum Körpergewicht. Ein veralteter Wert verfälscht das Ergebnis direkt.

Du solltest keine Trainingsbereiche aus dem VO2max-Wert ableiten. Die Laufuhr gibt dir zwar eine Orientierung, eine professionelle Leistungsdiagnostik mit Laktatmessung ist für die Bestimmung deiner Trainingszonen unersetzlich.

Was hat die VO2max mit deiner Gesundheit zu tun?

Mehr als du vermutlich ahnst. Die Datenlage dazu ist außergewöhnlich stark.

Die Copenhagen Male Study verfolgte 5.107 Männer über 46 Jahre. Das Ergebnis: Steigerst du deine VO2max um 1 ml/kg/min, gewinnst du rund 45 zusätzliche Lebenstage.

Eine Analyse von 199 Studien mit über 20 Millionen Beobachtungen zeigt: Schon kleine Verbesserungen deiner Ausdauerleistung senken dein Sterberisiko um 11–17 %.

Die American Heart Association stuft die VO2max seit 2016 als klinisches Vitalzeichen ein. Damit gilt sie als genauso wichtig für deine Gesundheit wie Blutdruck oder Cholesterinwerte.

Steigerst du deine VO2max, trainierst du also nicht nur für die nächste persönliche Bestzeit, sondern investierst direkt in deine Gesundheit und Lebenserwartung.

So setzt du dein VO2max-Training richtig um

Die VO2max zu steigern, ist einfach: Eine intensive Einheit pro Woche, eine solide Grundlagenausdauer und 8 bis 12 Wochen regelmäßiges Training. Mehr brauchst du nicht für spürbare Verbesserungen.​​​​​​​​​​​​​​​​

Der häufigste Fehler ist jedoch nicht das Laufen an sich, sondern das Training im falschen Bereich: Verbringst du zu wenig Zeit nahe deiner VO2max, bleibt die Leistungssteigerung aus.

Das Training darf weder zu locker noch zu hart sein. Für den maximalen Effekt musst du die Intensitätsbereiche gezielt treffen.

Starte mit der 30/30-Methode, wenn du noch keine Erfahrung mit Tempotraining hast.

Steigere dich auf die 60/60-Methode, sobald du die 30-sekündigen-Intervalle sauber und konsequent durchziehen kannst.

Nach 8–12 Wochen kannst du die 4×4-Methode (Norwegian Protocol) in deinen Laufalltag integrieren.

Zieh das VO2max-Training konsequent durch. Die ersten Verbesserungen wirst du nicht nur spüren, sondern auch schnell auf deiner Laufuhr sehen.

Häufig gestellte Fragen zur VO2max

Wie schnell verbessert sich meine VO2max durch Training?

Je untrainierter du startest, desto größer ist dein Fortschritt. Studien zeigen im Schnitt Zuwächse von etwa 5 ml/kg/min durch High Intensity Interval Training (HIIT). Erste Verbesserungen spürst du nach 4–6 Wochen, die größten Anpassungen erfolgen nach 8–12 Wochen.

Was ist das Norwegian Protocol und warum ist es so effektiv?

Die norwegische 4×4-Methode (Norwegian Protocol) besteht aus vier Intervallen à vier Minuten bei 85–95 % der HFmax mit drei Minuten Trabpause dazwischen. Sie maximiert die Zeit nahe deiner VO2max, ohne dich frühzeitig zu erschöpfen.

Warum steigt meine VO2max nicht trotz Training?

Meist liegt es an fehlender Intensität, zu wenig Erholung oder ungenauen Messwerten. Entscheidend ist, dass du regelmäßig im Bereich von 85–95 % HFmax trainierst und ausreichend Regeneration einplanst (mindestens 48 Stunden zwischen zwei intensiven Einheiten).

Wie genau misst meine Garmin die VO2max?

Für einen Richtwert ist die Messung ziemlich genau. Abweichungen liegen meist bei etwa 3,5 ml/kg/min. Für die Bestimmung deiner Trainingszonen solltest du eine professionelle Leistungsdiagnostik durchführen lassen.

Beeinflusst Körpergewicht die VO2max?

Ja. Die VO2max wird relativ zum Körpergewicht berechnet. Verlierst du Körperfett bei gleichbleibender Leistung, verbessert sich dein Wert automatisch. Verlierst du dabei jedoch auch Muskelmasse, verbessert sich deine VO2max nicht zwingend. Gewichtszunahme hingegen senkt den Wert.

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7 Kommentare

  1. Hi Robin,
    heißt das alles in allem, wenn ich weniger Muskelmasse oder auch Körpermasse habe das ich länger ohne aus der Puste kommend laufen könnte bei gleicher VO2max? Bekomm ich also die größere Leistungssteigerung wenn ich abnehmen würde, was ich auch momentan machen will, damit ich am Ende auch schneller und länger laufen kann?

    1. Moin Christian,
      tatsächlich ist die Gewichtsabnahme auch eine unkonventionelle Art und Weise seine VO2max zu verbessern.
      Aber Vorsicht: Wir sprechen hier von der relativen VO2max, d. h. mit dem Wert können Sportler derselben Gewichtsklasse besser verglichen werden. Wenn ihr beide 75kg wiegt, solltet ihr auch beide gleich schnell und lange laufen können.
      Ich sage bewusst „solltet“, weil zur Ausdauer natürlich auch noch die Laufökonomie zählt. Wenn du bei gleichem VO2max wesentlich effizienter als dein Gegner läufst, bist du natürlich auch schneller im Ziel.

      Wenn du regelmäßig laufen gehst, gehen die Erhöhung der VO2max und der Verlust von Gewicht ja schon Hand in Hand. Ob du jetzt von der „größeren“ Leistungssteigerung sprechen kannst, weiß ich nicht.
      Wahrscheinlich schon – schließlich musst du auch weniger Masse in Bewegung setzen.
      Und ja, wenn du (viel) Gewicht verlierst, wirst du zwangsweise natürlich auch schneller 🙂

      Beste Grüße
      Robin von runnersfinest.de

  2. Jetzt nochmal eine Frage zum Training des Schwelle.

    Ich habe mir letztens Gedanken gemacht ob es einen unterschied macht ob ich Intervalle auf der Bahn mache oder am Berg mit 10% Steigung. Vor zwei Wochen hatte ich Intervalle am Berg gemacht, worauf meine Garmin mir eine neue Schwellengrenze „vorgeschlagen“ hat. Darauf hin sollten sich die ganzen Tempobereiche ja auch neu berechnen. Jetzt habe ich mich gefragt ob ich das Tempo was er mir als Schwelle angezeigt hat am Berg laufen muss oder ob damit auch das Tempo auf Bahn damit gemeint ist.

    1. Hi Christian,
      deine Garmin errechnet deine Laktatschwelle auf Basis deiner Herzfrequenz sowie deiner Pace. Wie valide diese Schwelle ist, hängt jedoch von vielen Faktoren ab. Zum Einen muss die HFmax stimmen. Wenn die vorher nur durch die Laufuhr ermittelt worden ist, werden die Daten schon ungenau. Wenn du deinen Puls darüber hinaus nur über das Handgelenk ermittelst, sind die Daten i.d.R. fast schon unbrauchbar. Deshalb wäre ich bei der Schwellenberechnung vorsichtig.
      Der genaue Schwellenwert lässt sich durch eine professionelle Laktatmessung genauestens bestimmen.
      Aber jetzt zu deiner eigentlichen Frage:
      Die Laktatschwelle ist die Trainingsintensität, in der dein Körper das gebildete Laktat in gleichem Maße auch wieder abbauen kann (der sogenannte Laktat Steady-State).
      Es spielt daher keine Rolle, ob Berg- oder Bahn-Intervalle – Schwelle bleibt Schwelle. Aufgrund der Steigung am Berg erreichst du die Schwelle nur wesentlich schneller. Als Trainingsmethode hast du da auf jeden Fall aufs richtige Pferd gesetzt 🙂

  3. Hallo Robin
    Seit ca einem Jahr habe ich eine Apple Watch, wo mir di Cardiofitness anzeigt beim wandern und Joggen. Leider nicht beim Biken oder Skifahren.
    Ich gehe regelmässig Wandern Skifahren und ab und ab und zu Biken. Pro Woche so 2-3 Tranings.
    Nun mein Cardiofitnesswert beträgt am Anfang ca 33 und nimmt aseit 1 Monat konstant ab, auch wenn ich fast täglich Wandern gehe oder Biken. Mittlerweile bin ich bei 27 angelangt und mache mir langsam Sorgen, was da los ist.
    Kann sein das die Werte nicht stimmen? Fühle mich gut auch wenn ich jeden Tag Wandern gehe mit ca 500-800 hm täglich.
    Oder sollte ich mal zum Arzt mich checken lassen?
    Bin 55 Jahre alt 176/82

    1. Hi Frank,
      lass dich bloß nicht von deiner Apple Watch in die Irre führen. Um deine Werte brauchst dir keinerlei Sorgen machen. Zum Einen misst die Apple Watch deinen Puls über das Handgelenk. Die hier gemessenen Parameter sind für eine VO2max- bzw. Fitnesswert-Ermittlung total unbrauchbar. Exakte Pulswerte werden über einen Brustgurt gemessen. Zum Anderen ist die Apple Watch eine Smart-Watch, d.h. die Technik ist der Technologie von Garmin und Polar unterlegen. In Kombination mit der Handfrequenzmessung werden dann meist Werte errechnet, die trotz regelmäßigem Sport vorn und hinten nicht stimmen können.
      In sofern: Befrei dich vom Zwang, in den dich deine Uhr zu drücken scheint 🙂

      Thema Arzt: Solange du dich beim Sporttreiben nicht unwohl fühlst oder starke Leistungsabfälle bemerkt hast, würde ich hier auch keine Pferde scheu machen. Aber Vorsicht ist die Mutter der Weisheit: Notiere dir deine Trainingseinheiten mal in einem Tagebuch und bewerte die Anstrengung auf einer Skala von 1-10 (RPE-Skala). Bleibt die Anstrengung bei gleicher Distanz gleich, super. Wirst du beim Wandern plötzlich schneller, umso besser 🙂

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