Aus meinen Zielen mache ich keinerlei Geheimnisse. Auch wenn sie noch so ambitioniert sind. Beim BMW Berlin-Marathon 2018 wollte ich die 3-Stunden-Marke auf der Marathon-Distanz knacken. Die Vorbereitungen hatten bereits im November 2017 begonnen – Seit 10 Monaten trainiere ich für #Breaking3 .

Auf dem Weg zu #Breaking3 muss man aber auch hin und wieder Rückschläge in Kauf nehmen. Nach meinem DNF im April beim Marathon in Hamburg war ich gleichzeitig enttäuscht, aber auch ein wenig erleichtert: Der Angriff auf die 3 Stunden kam für mich etwas zu früh.

Während des Trainings für den Berlin Marathon 2018 habe ich früh gemerkt, dass meine Form einen erneuten Angriff auf Sub3 nicht zulässt. Daher hatte ich meine Zielzeit auf Sub3:10 korrigiert.

Ob ich beim Berlin-Marathon 2018 mein Ziel erreicht habe, lest ihr jetzt in diesem Artikel.

BMW Berlin-Marathon 2018 | RunnersFinest
Imposanter Zieleinlauf: Mit Blick auf die Siegessäule gehts beim BMW Berlin-Marathon auf den letzten Metern ins Ziel.

BMW Berlin-Marathon 2018

Der Tag startete um 5 Uhr. Nichts Neues, denn während meines Trainings habe ich die Samstage damit verbracht, meine Laufeinheiten im Marathon-Tempo unter Wettkampf-Bedingungen vorzubereiten.

Das heißt: 6 Uhr aufstehen, frühstücken und um Punkt 9:15 Uhr ab auf die Straße.

Exakt so verlief auch der Morgen am Wettkampftag. Nach zwei Kaffee, meinen Overnight-Oats und der Dusche zum endgültigen Wachwerden, bin ich zum Brandenburger Tor aufgebrochen.

Mein AirBnB lag im schönen Charlottenburg. Der Stadtteil liegt zwar etwas weiter weg vom Zentrum, aber dank günstiger Verkehrsanbindung dauerte es nicht lange, um die Innenstadt zu erreichen.

Am Brandenburger Tor angekommen, war ich überwältigt von den Menschenmassen, die alle zum Platz der Republik pilgerten.

Zum Hintergrund: Der Berlin-Marathon ist meine erste Veranstaltung in dieser Größenordnung – normalerweise nehme ich an wesentlich kleineren Laufveranstaltungen teil. Daher musste ich mich auf dem riesigen Gelände erstmal zurecht finden.

Nach guten 30 Minuten hatte ich das Zelt für die Abgabe meines Kleiderbeutels endlich gefunden. Es blieb zwar noch genug Zeit, sich aufzuwärmen, allerdings musste ich bis zum Start noch ein gutes Stück zurücklegen.

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Dicht hinter Eliud Kipchoge

Nach einem kurzen WarmUp nahm ich meine Position im vierten Startblock ein.

Das Getummel im Block war enorm. Selbst bei den ambitionierten Freizeitläufern musste man seinen Platz im Block mit Ellbogen verteidigen.

Es folgte die Vorstellungsrunde der Elite-Läufer. Ich konnte die Videowand leider nicht sehen, aber als Eliud Kipchoge erwähnt wurde, flippte die Menge komplett aus. Kipchoge wollte in Berlin einen neuen Weltrekord aufstellen.

Mich überkam eine Gänsehaut – mir wurde bewusst, dass ich auf derselben Straße laufen werde, wie der größte Marathon-Läufer unserer Zeit.

Das motivierte mich.

Ich hatte jedoch ein kleines Problem: Nur wenige Minuten vor dem Start meldete sich meine Blase. Allerdings wollte ich mich so kurz vor Beginn des Marathons nicht mehr aus meinem Startblock quetschen. Ich war mir sicher, dass es lediglich der obligatorische Nervositäts-Toiletengang sei und sich das Gefühl einer vollen Blase während des Wettkampfs rausläuft.

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Vorfreude auf 42,195 Kilometer durch Berlin: Das obligatorische Pre-Race-Foto vor dem Brandenburger Tor darf an diesem Tag natürlich nicht fehlen.

Auf dem Weg zum Großen Stern

Das Anhalten war nicht die beste Idee. Denn bereits auf den ersten Metern drehte sich in meinem Kopf alles um meine Blase. Zwar war der Druck nicht so groß, dass ich hätte anhalten müssen. Gedanklich belastete mich der fehlende Toilettengang allerdings.

Beim Berlin-Marathon läuft man die ersten Kilometer auf der Straße des 17. Juni mit Blick auf die Siegessäule. Wer die Straße kennt, der weiß, wie breit sie ist. Trotz allem war es alles andere als einfach, sich an den langsameren Läufern vorbeizuschlängeln.

Eigentlich hatte ich damit gerechnet, dass ich nach dem Startschuss von einigen übermotivierten Läufern aus meinem Block überholt werde. Denn meine Wettkampf-Strategie sah vor, mich auf den ersten Kilometern in 4:30-4:25 min/km langsam einzurollen. Ich startete schließlich mit Läufern, die allesamt eine Zielzeit von 3:00-3:15 Stunden angegeben hatte.

Ideale Wettkampfbedingungen

Bevor ich realisieren konnte, dass ich gerade meinen ersten Marathon der Major Series laufe, hatte ich bereits 10 Kilometer gesammelt. Nach 44 Minuten erreichte ich Berlin-Mitte. Meine Durchschnittspace von 4:24 min/km deutete auf eine Zielzeit von 3:06 Stunden. Also genau die Zeit, die ich vor dem Start angepeilt hatte.

Die Stimmung am Streckenrand war phänomenal. Sie toppte alles, was ich bisher erlebt hatte. Das Wetter war sowohl für uns Läufer, als auch für alle Zuschauer ideal: Ein wolkenloser Himmel, angenehme Temperaturen und ein wenig Sonnenschein.

Trotz der wahnsinnig guten Atmosphäre fokussierte ich mich darauf, meine Pace zu halten. Das Tempo war weder zu langsam noch zu schnell – es war genau richtig!

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Das Wetter am Wettkampf-Tag hätte nicht besser sein können: Angenehme 14 Grad am Morgen und ein fast wolkenloser Himmel bescherten dem Berlin-Marathon ideale Laufbedingungen.

Das Element des Lebens

Water is key – das habe ich auf meinen Long Runs im Training immer wieder bestätigt bekommen. Daher habe ich an jeder Verpflegungsstelle zum Wasser gegriffen.

Obwohl nur die Hälfte des Wassers auch tatsächlich den Weg in meinen Körper gefunden hat, nahm der Druck in meiner Blase stetig zu. Zu allem Überfluss bekam ich nach der Hälfte des Wettkampfs Seitenstiche.

Ich passte meine Atmung an. Mit Erfolg – wenig später konnte ich wieder problemlos weiterlaufen.

Bei Kilometer 25 merkte ich zum ersten Mal, dass mein Körper zusätzliche Energie verlangte. Ich nahm das Gel, was ich während meiner Trainingseinheiten getestet hatte.

Das Gel konnte ohne Wasser eingenommen werden, schmeckte aber wesentlich süßer als im Training. Aber welches Gel schmeckt schon wirklich richtig lecker? Wenn ihr für Empfehlungen für Gels habt, lasst es mich in den Kommentaren wissen!

Das Energy-Gel erfüllte jedenfalls seinen Zweck. Die Beine waren wieder etwas frischer. Die Pace musste allerdings um 5 Sekunden reduziert werden.

Komplett im Tunnel

Ich muss zugeben, dass ich beim BMW Berlin-Marathon sehr wenig von der Stadt wahrgenommen habe. Das mehrfache Überqueren der Spree, ist komplett an mir vorbeigegangen. Auch, dass ich über den Ku’damm oder am Potsdamer Platz vorbeigelaufen bin.

Mein Fokus lag ausschließlich darauf, den Marathon zu finishen.

Bei Kilometer 35 lag meine Pace bereits 10 Sekunden über meiner angepeilten Race-Pace. Zu allem Übel bekam ich auf den letzten sieben Kilometern Krämpfe in beiden hinteren Oberschenkeln.

Das hat mich dazu gezwungen, meine Pace erneut um ganze 30 Sekunden zu reduzieren. Zu diesem Zeitpunkt war die angepeilte Zielzeit jedoch unwichtig. Ich musste jetzt kämpfen.

Beißen. Komme, was wolle.

Ich war nicht gewillt, das ganze harte Training auf den letzten Kilometern über den Haufen zu werfen. Ich wollte meinen ersten Major Marathon finishen und die Teilnehmer-Medaille um den Hals gehängt bekommen.

Also lief ich weiter.

Meinen Laufstil passte ich vom Mittelfuß auf den Fersenlauf an. Das erschien mir in diesem Moment am sinnvollsten. Wobei sich die Beine gegen Ende eines Marathons für gewöhnlich immer wie Gummi fühlen.

Als Fixpunkt setzte ich mir den 40. Kilometer. Andreas – ihr kennt ihn von seinem genialen Testbericht der Onnight 710 von Decathlon – hatte mir am Abend zuvor gesagt, dass die letzten 2,195 Kilometer wie im Fluge vergehen, da die Läufer vor dem Ziel noch einige Male abbiegen müssen und die Stimmung seinen Höhepunkt erreicht.

LESENSWERT: Im Test – Onnight 710 von Decathlon

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Zeit für ein Lächeln bleibt immer! Besonders, wenn man bekannte Gesichter am Streckenrand erkennt!

Von Ost nach West

Rechts, links, rechts, links, Zielgerade.

Mit Blick auf das Brandenburger Tor setzte ich das letzte Mal ein gequältes Lächeln für das Zielfoto auf. Einen finalen Schlusssprint habe ich mir erspart. Sich auf den letzten Metern vor allen Zuschauern zu blamieren, weil man vor lauter Erschöpfung stürzt und sich dann auf allen Vieren über die Ziellinie rettet? Das wollte ich mir ersparen.

Also trottete ich gehobenen Hauptes weiter in Richtung Ziel.

Selbst die Anfeuerungsrufe meiner Freundin, die mich nach Berlin begleitet hatte, gaben mir keine zusätzliche Energie.

Die Tanks waren komplett leer. Es reichte lediglich für das Ballen der Fäuste beim Überqueren der Ziellinie. Ich stoppte meine Uhr nach 3:11 Stunden – neue persönliche Bestzeit! Eine Dame hängte mir grinsend meine hart erlaufene Medaille um den Hals.

Ich blieb nicht stehen, sondern marschierte direkt zum Zielbereich.

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41 Kilometer später war ich kurz davor, durch das Brandenburger Tor zu laufen. Das Leid, jeden Krampf zu verhindern, wird auf diesem Bild glücklicherweise nicht sichtbar.

Ein Auge lacht, ein Auge weint

Das langsam Gehen im Zielbereich war eine Genugtuung für meinen erschöpften Körper. Ich folgte der Menschenmasse zurück zum Platz der Republik. Ich sehnte mich nach einer Dusche und frischen Klamotten.

Während des Spaziergangs gingen mir einige Gedanken durch den Kopf. Hauptsächlich suchte ich den Grund für meine Krämpfe.

Hatte das Gel nicht genügend Elektrolyte? Habe ich das Gel nicht gut vertragen? War die Muskulatur zu schwach? Was kann ich tun, um derartige Einbrüche zu verhindern?

Meine Freude über die neue Bestzeit wurde durch die letzten sieben Kilometer des Rennens etwas geschmälert. Im Gegensatz zu meinem letzten Marathon, bei dem ich eine Bestzeit gelaufen bin, fehlte mir jetzt der Stolz über meine Leistung.

Für einen Außenstehenden völlig unverständlich. Denn das Laufen von 42 Kilometern ist bereits eine stolze Leistung.

Natürlich bin ich stolz und zufrieden, aber nach 10 Monaten hartem Training habe ich mir ein anderes Ergebnis gewünscht. Unter 3:10 Stunden wäre schön gewesen.

Letztendlich ziehe ich aus allen „negativen“ Erlebnissen immer das Positive: Ich bin trotz Krämpfe eine neue Bestzeit gelaufen und kann die Medaille eines Major Marathons mein Eigen nennen. Nach sieben gefinishten Marathons wird man möglicherweise etwas überheblich, was die Distanz betrifft. Ein Marathon erfordert aber jedes Mal die entsprechende Demut.

Meinem Körper gönne ich jetzt erstmal seine verdiente Ruhe. Das Training ist nicht spurlos an mir vorbeigezogen: Sowohl der Körper als auch der Kopf freuen sich auf eine Laufpause und Alternativtraining zum Erhalt der Grundlagenausdauer.

Wohlwissend, dass es bald wieder in den Füßen kribbeln wird.

Elapsed Time Moving Time Distance Average Speed Max Speed Elevation Gain
03:11:04 03:11:04 42.50 13.35 20.52 155.00
hours hours km km/h km/h meters


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