Sport ist Mord. Man hört es immer wieder. Zu meiner aktiven Zeit als Fußballspieler wusste ich natürlich mit kleinen und größeren Verletzungen umzugehen, weshalb mir diese „Lebensweisheit“ nie so richtig logisch erschien. Verletzungen gehören nunmal dazu. Ein Schienbeinbruch war zu viel des Guten.

Wie alles begann

Für mein Leben lang habe ich Fußball gespielt. Meine Fußballschuhe habe ich allerdings nach der letzten Saison in der A-Jugend an den Nagel gehängt. Ich hatte mir in meinem Leben andere Prioritäten gesetzt und mich der Musik gewidmet.

Ganz wie bei den Profis habe ich jedoch meinen Rücktritt vom Rücktritt im Jahr 2009 angekündigt. Damals bereits Student in Köln hatte ich in den Semesterferien ausgesprochen viel Zeit zum Kicken. Da hat es auch keine Rolle gespielt, dass unser Training bis 22 Uhr ging und wir meist erst um 22.30 Uhr zu Hause waren.

Meine Mannschaft formte sich aus begeisterten, aber häufig auch grobmotorischen Kickern, die eine Vorliebe für Partys und Alkohol hatten. Eine klassische 3. Mannschaft!

Nach mehreren mittelmäßig abgeschnittenen Saisons und einem Trainerwechsel hat man sich 2011 darauf geeinigt, das Unterfange ambitionierter anzugehen. Der Aufstieg war deklariertes Ziel.

Also ging es im Sommer ins Trainingslager, was durchaus Ernst genommen wurde. Vor der Saison wurden noch einige Freundschaftsspiele vereinbart, damit man bestmöglich in die Saison starten konnte.

Zu viele Emotionen im Spiel

Der Sport ist ein wichtiger Bestandteil meines Lebens. Außerdem hasse ich es zu verlieren. Dafür bin ich zu ehrgeizig und zu ambitioniert – auch wenn es sich nur um ein Freundschaftsspiel in der Saisonvorbereitung handelt. In meinen Augen sollte man es möglichst vermeiden, sich auf der Party am Vorabend eines Fußballspiels vollkommen aus dem Leben zu schießen. Dummerweise war ich der einzige aus meiner Mannschaft, der diese Ansicht hatte.

Zum Treffpunkt blickte ich also in zehn verkaterte Gesichter. Von diesen zehn war die Hälfte noch betrunken. Meine Vorfreude auf das Spiel sank also schonmal.

Auf dem Spielfeld wirkte sich der Alkohol im Blut natürlich negativ aus: Pässe kamen nicht an, die Kondition fehlte, wir standen vollkommen neben uns.

Ich habe versucht, meine Mannschaftskollegen zu motivieren, aber hier war Hopfen und Malz verloren. Darüber hinaus waren meine Motivationsversuche eher aggressiver als aufbauender Natur. Das merkte dann auch mein Trainer, der mich in der Halbzeit vom Platz nahm. Er müsse mich vor mir selber schützen.

Ein Spiel geht 90 Minuten

Wer erinnert sich nicht? Champions League Finale 1998/1999 – bis zur 90 Minute führt der FC Bayern München gegen Manchester United mit 0:1. Die Briten drehten das Spiel in der Nachspielzeit und gewannen das Finale mit 2:1.

Gut. Wir waren jetzt nicht im Champions League Finale. Stattdessen lagen wir in der 90 Minute mit 4:1 hinten. Das Spiel hatte keinerlei Bedeutung. Es gab weder Punkte, noch einen Pokal, noch eine Siegprämie.

Mir war das herzlich egal. In der 70 Minute wieder eingewechselt worden, versuchte ich nochmal alles, um das Spiel noch zu unserem Gunsten zu drehen. Da lief wirklich nichts mehr. Ab der 80 Minute brannten bei mir alle Sicherungen durch, wodurch ich sinnlos jedem Ball hinterher grätschte.

Der Schiri hatte schon die Pfeife im Mund als der Gegner seinen letzten Angriff spielte. Der Ball lag frei vor dem Sechzehnmeter-Raum. Ich grätschte. Zeitgleich setzte der gegnerische Angreifer zum Schuss an und zog voll durch. Da war mein Fuß bereits unmittelbar am Ball. Ich schrie. Das nächste, woran ich mich erinnern kann, war ein unbeschreiblicher, stechender Schmerz im Schienbein. Ich versuchte aufzustehen, sackte aber sofort wieder zu Boden. Zwei Mannschaftskollegen trugen mich vom Platz, wo ich mit einer Cola versorgt wurde. Keine zehn Minuten später hievten mich die Sanitäter in eine Trage und in den bestellten Krankenwagen.

Im Krankenhaus die Diagnose: Schienbeinbruch.Mein Arzt pflegte noch zu scherzen. Man hätte mir lieber auch das Wadenbein brechen sollen, damit der gesamte Bruch schneller verheilt. Fand ich jetzt nicht so witzig.

In der selben Nacht wurde mir ein sogenannter Tibia-Nagel implementiert, was – wie mein Chirurg mir später erzählen sollte – ein ziemliches Handwerk ist:Damit der Nagel unterhalb der Kniescheibe eingesetzt werden kann, muss die Patellasehne gesplissen werden. Zurück bleiben also eine lange Narbe am Knie, eine, wo das Endoskop eingeführt wurde und zwei für die Fixierungsschrauben.

Die Laufkarriere beginnt

Natürlich könnte ich jetzt von den zehn Tagen Krankenhausaufenthalt oder dem dreimonatigen Reha-Prozess erzählen, aber ich will mich an dieser Stelle auf meine wesentliche Erkenntnisse beschränken.

Die Narben der OP finde ich nicht weiter schlimm. Narben erzählen schließlich Geschichten (auch, wenn man die Geschichte nicht unbedingt gerne oder zumindest in abgewandelter Form erzählt). Schlimm sind eher die Schmerzen im ersten Monat, die Thrombosespritzen oder täglich vier Stockwerke mit Krücken zurücklegen zu müssen.

Nachhaltig schlimm ist jedoch die Verletzungs-Anfälligkeit meines rechten Beins:Knieschmerzen im Narbenbereich sind im Winter besonders auffällig.Außerdem bilde ich mir ein, dass meine rechte Körperhälfte aufgrund der Schonhaltung eine Dysbalance zur linken Körperhälfte aufweist. Gut möglich, dass mein Schienbeinkantsyndrom dadurch entstanden ist?Vielleicht ist es aber auch nur Zufall, dass ich Waden- und Piriformis-Probleme nur in der rechten Körperregion habe.

Aber aus den negativsten Ereignissen muss man auch stets das Positive ziehen:Ohne die Verletzung und den notwendigen Ehrgeiz meiner Mannschaft möglichst bald wieder zur Verfügung zu stehen, wäre meine Leidenschaft für das Laufen möglicherweise niemals entfacht worden.

Für alle, die sich fragen, ob ich jemals wieder Fußball gespielt habe: Ja, das habe ich. Nach knapp vier Wochen stand ich wieder auf dem Feld. Mit einem Marknagel aus Titan fühlt man sich unverwundbar. Ich bin mit gewohntem Körpereinsatz in die Zweikämpfe gegangen; habe aber nie wieder eine derart dumme Grätsche angesetzt.

Nach Entfernung des Marknagels im Jahr 2013 habe ich meine aktive Fußballkarriere beendet und mich voll und ganz auf das Laufen konzentriert.

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