Zwei Schritte einatmen.
Drei Schritte ausatmen.
Die Luft durch die Nase einsaugen und durch den Mund wieder auspusten.
Um die richtige Atemtechnik beim Laufen ranken sich viele Mythen und Fragen.
Aber gibt es sowas wie den idealen Atemrhythmus ĂŒberhaupt?
Dieser Artikel zeigt dir, wie du beim Laufen richtig atmest und wie du Seitenstechen verhindern kannst.
Das vegetative Nervensystem: Du atmest unbewusst
Im Durchschnitt atmest du etwa 15 bis 25 Mal pro Minute ein und aus.
Ăber den Tag hinweg werden somit knapp 10.000 Liter Atemluft in deine Lunge gezogen und wieder ausgeatmet.
Dabei wiederholst du den Atemzyklus rund 20.000 Mal am Tag.
All das geschieht unbewusst und unwillkĂŒrlich, ohne dass du deine Atmung aktiv steuern mĂŒsstest.
WĂ€hrend der Mensch 30 Tage ohne Nahrungszufuhr auskommen und immerhin einige Tage ohne Wasser ĂŒberleben kann, hĂ€ltst du es gerade mal ein paar Minuten ohne Sauerstoff durch.
Das Atmen ist die Basis fĂŒr jegliche Art von menschlichem Leben.
Durch die Atemhilfsmuskulatur und die Lunge selbst, beeinflussen sich die Atmung und die Bewegung physiologisch.
DarĂŒber hinaus sind beide VorgĂ€nge aber auch psychologisch in Verbindung zu setzen.
Denn Stress und NervositÀt wirken sich auf dein Nervensystem aus.
Kurz vor dem Start eines wichtigen Wettkampfs steigt dein Puls.
Du atmest plötzlich schneller und flacher.
Du saugst dann allerdings auch weniger Luft und dementsprechend auch weniger Sauerstoff ein.
Damit du also nicht gleich zu Beginn eines Wettkampfes mit Schnappatmung loslĂ€ufst, solltest du deine Atmung auch unter Stress oder nach einer Belastung regelmĂ€Ăig trainieren.
Dasselbe gilt ĂŒbrigens auch fĂŒr den Alltag.
Denn durch das lange Sitzen atmest du vermehrt ĂŒber die Brust anstatt durch den Bauch (Zwerchfellatmung).
TĂ€glich einige AtemĂŒbungen durchzufĂŒhren, ist also eine gute Möglichkeit, deinen Körper zu entspannen und die Sauerstoffaufnahme zu optimieren.
Mehr lesen: Richtig Trinken und Laufen: Das solltest du alles wissen
So verhinderst du Seitenstechen beim Laufen
Du kennst diesen Schmerz.
Das krampfhafte Stechen unterhalb des Rippenbogens.
Es bringt dabei nicht nur deinen Laufschritt, sondern auch deine Atmung aus dem Rhythmus.
Die Rede ist natĂŒrlich vom Seitenstechen beim Joggen.
Aber wie entstehen diese fiesen Seitenstiche ĂŒberhaupt?
Darauf hat leider selbst die Wissenschaft noch keine Antwort.
Die Theorien reichen von einem schlecht durchbluteten Zwerchfell, ĂŒber KrĂ€mpfe in der Bauchmuskulatur bis hin zu einer Reizung des Bauchfells.
Gerade beim Laufen wird Seitenstechen aber durch NervositĂ€t, einen vollen Magen oder eine falsche Atmung begĂŒnstigt.
Was kannst du also tun, um Seitenstiche erst gar nicht entstehen zu lassen?
- Trainiere niemals mit einem vollen Bauch: Warte nach dem Essen zwischen zwei bis vier Stunden, bevor du mit deinem Training startest.
- WĂ€rm dich richtig auf: Ein lockeres Warm-Up aktiviert nicht nur deine Muskulatur, sondern bereitet auch deine Atmung optimal auf die Belastung vor.
- Starte langsam: Steiger dein Lauftempo nach und nach â So hat auch dein Körper die Chance sich an die Belastung anzupassen.
- StĂ€rke deine Körpermitte: Eine krĂ€ftige Core-Muskulatur verbessert nicht nur deine Laufleistung, starke Bauchmuskeln sollen dich auch vor Seitenstechen schĂŒtzen.
- Trainiere deine Atmung: Seitenstiche werden durch unregelmĂ€Ăiges und flaches Atmen begĂŒnstigt. Durch tiefe, ruhige AtemzĂŒge kannst du Seitenstechen vorbeugen.
Mehr lesen: Core-Workout: Diese 5 Ăbungen verbessern deine Lauf-Performance
Diese Tipps helfen gegen Seitenstechen beim Laufen
Auch wenn die fiesen Stiche beim Laufen erstmal unangenehm sind.
Dein Training musst du deshalb noch lange nicht abbrechen.
Du kannst die Schmerzen durch einige SofortmaĂnahmen lindern:
- Atme kontrolliert: Hol drei Sekunden lang tief Luft und lass sie drei weitere Sekunden langsam wieder raus. Statt flach und schnell, atmest du jetzt also tief und lang. Das tiefe Atmen in den Bauch (Bauchatmung) entspannt das Zwerchfell und reduziert das Stechen in der Seite.
- Reduziere dein Tempo: Das kontrollierte Atmen erfordert zwangsweise eine Reduzierung deines Lauftempos. Je langsamer du lÀufst, desto tiefer kannst du ein- und ausatmen und desto schneller wirst du deine Seitenstiche wieder los.
- Heb beide Arme in die Luft: Du kennst diese Ăbung bestimmt noch aus alten Schulsport-Tagen: FĂŒhre deine Arme beim Einatmen ĂŒber den Kopf und neige deinen Oberkörper beim Ausatmen mit baumelnden Armen nach vorne. So beschleunigst du die Entspannung deines Zwerchfells.
- Ăbe Druck aus: DrĂŒck mit deinen Fingern auf die schmerzende Stelle und löse den Druck beim Ausatmen wieder. So kannst du die Verkrampfung im Zwerchfell reduzieren.
- Leg eine Pause ein: Falls alle Stricke reiĂen, bleib kurz stehen. Atme kontrolliert und fĂŒhre Rumpfbeugen zur Lockerung der Spannung durch.
Mehr lesen: Die 11 wichtigsten DehnĂŒbungen fĂŒr LĂ€ufer
Die Bauchatmung trainieren: Ăbungen zur StĂ€rkung deiner Lunge
Beim Yoga spielt das richtige Atmen eine zentrale Rolle.
SchlieĂlich ist es die Grundvoraussetzung, um sich zu entspannen und um die einzelnen Yoga-Posen kontrolliert durchzufĂŒhren.
Aber auch beim Laufen solltest du darauf achten, richtig zu atmen.
Denn je mehr Luft du einsaugst, desto mehr Sauerstoff steht deiner Muskulatur als Energie zur VerfĂŒgung.
Sicherlich ist es dir schonmal aufgefallen.
WÀhrend du bei deinen langsamen DauerlÀufen noch problemlos durch die Nase atmen kannst, saugst du die Luft bei intensiven Tempo-Einheiten eher durch den Mund ein.
Das liegt daran, dass deine Muskulatur bei einer intensiven Belastung mehr Sauerstoff benötigt.
Und dein Mund kann wesentlich mehr Luft aufnehmen, als deine Nase.
Doch egal, ob ĂŒber die Nase oder ĂŒber den Mund â die gezielte Bauchatmung solltest du auf jeden Fall trainieren.
Ăbung 1: Bewusstsein schaffen
Leg dich mit dem RĂŒcken auf eine Fitnessmatte und stell ein Buch auf deinen Bauch.
Atme jetzt so tief und bewusst ein, dass sich das Buch beim Ausatmen sichtbar hebt und sinkt.
Achte beim Ausatmen darauf, dass du wirklich die gesamte Luft aus deiner Lunge pustest.
FĂŒhre die AtemĂŒbung regelmĂ€Ăig durch, um in Zukunft automatisch in den Bauch zu atmen.
Ăbung 2: Richtig atmen bei Stress und NervositĂ€t
Es spielt ĂŒberhaupt keine Rolle, ob du deinen ersten oder deinen hundertsten Wettkampf lĂ€ufst â sobald du den Startblock betrittst, steigt die Anspannung.
Das Problem: Je aufgeregter du bist, desto schneller atmest du auch.
Gerade vor WettkĂ€mpfen ist das natĂŒrlich ungĂŒnstig.
SchlieĂlich kann hastiges Atmen zu fiesen Seitenstechen beim Laufen fĂŒhren.
Durch bewusstes Atmen kannst du deine Aufregung jedoch kontrollieren:
Atme durch die Nase ein und zÀhle langsam bis vier.
Halte die Luft fĂŒr sechs Sekunden an.
Atme fĂŒr acht Sekunden aus.
Das wiederholst du fĂŒnfmal, um deine Atmung zu beruhigen.
Denn atmest du langsam, senkst du gleichzeitig deinen Blutdruck und versetzt deinen Körper in einen erholsamen Zustand.
Ăbung 3: Pump deine Lunge auf
Atme ein und zÀhle dabei bis zwei.
Halte jetzt die Luft an und zÀhle erneut bis zwei.
Wiederhole diesen Vorgang so oft, bis du nicht mehr weiteratmen kannst.
Danach atmest du in einem ruhigen, langen Atemzug wieder aus.
Atme fĂŒr einen kurzen Moment entspannt weiter und wiederhole diese AtemĂŒbung.
Richtig atmen beim Joggen im Winter
Laufen bei eisigen Temperaturen â ist die kalte Luft nicht schĂ€dlich fĂŒr den Körper?
Gegen das Joggen bei Minusgraden ist grundsÀtzlich nichts einzuwenden.
Im Gegenteil: Das Laufen im Winter stÀrkt dein Immunsystem.
Erst ab einer Temperatur von -16 Grad solltest du lieber zu Hause trainieren.
Eine falsche Atemtechnik kann dir im Winter allerdings zum VerhÀngnis werden.
Denn bei frostigen Temperaturen ist es enorm wichtig, dass die kalte Luft nicht direkt in deine Lunge strömt.
Das wĂŒrde Atemwegserkrankungen begĂŒnstigen.
Statt durch den Mund, solltest du im Winter durch die Nase atmen.
Sie funktioniert dabei nÀmlich wie ein Heizkörper.
Ăber den gesamten Bereich der Nasenhöhle spannt sich eine Schleimhaut.
Die Aufgabe dieser Schleimhaut ist es, die Atemluft zu befeuchten, zu reinigen und vor allem zu erwÀrmen.
Die sogenannten Flimmerhaare filtern Fremdkörper, die ansonsten ĂŒber die Atemluft in die Nasenhöhle gelangen wĂŒrden.
Das Blut, welches durch die BlutgefĂ€Ăe der Nasenschleimhaut strömt, erwĂ€rmt dabei die Atemluft.
Da das Schleimhautgewebe besonders dicht von BlutgefĂ€Ăen durchzogen ist, wird die kĂŒhlere Atemluft durch das wĂ€rmere Blut aufgeheizt.
Bei kalten Temperaturen bietet dir ein Buff (Schlauchtuch) vor der Nase zusÀtzlichen Schutz.
Allerdings kann solch ein Tuch auch stören.
Vielen LÀufern fÀllt das Atmen durch die Nase ohnehin schon schwer.
Es fĂŒhlt sich an, als bekĂ€me man nicht ausreichend Luft.
Der Winter ist jedoch der perfekte Zeitpunkt, die Nasenatmung zu trainieren.
SchlieĂlich liegt der Fokus in der kalten Jahreszeit auf dem Aufbau deiner Grundlagenausdauer.
Bei langsamen LĂ€ufen kannst du dich also gezielt auf die Atmung durch die Nase konzentrieren.
Mehr lesen: Grundlagenausdauer: So verbesserst du deine Kondition
Auch interessant: Laufen im Winter: 4 Tipps fĂŒr das Laufen bei KĂ€lte
Nie wieder Atemprobleme beim Laufen
Die Atmung ist ein völlig intuitiver Prozess, in den du besser nicht steuernd eingreifen solltest.
Denn beim Joggen richtig zu atmen, heiĂt nicht, nach irgendwelchen Atemzug-pro-Schritt-Regeln zu laufen.
Diese Tipps sind eher kontraproduktiv:
Die bewusste Manipulation deines vegetativen Nervensystems bringt dich aus dem Lauf-Rhythmus und provoziert Seitenstechen.
Als LaufanfÀnger solltest du dein Tempo so wÀhlen, dass du dich noch bequem mit deinem Laufpartner unterhalten kannst.
Solltest du beim Laufen trotzdem Seitenstiche oder Atemprobleme bekommen, liegt das möglicherweise an einer falschen ErnÀhrung, an einem zu hohen Anfangs-Tempo oder gar an einer zu schwach ausgeprÀgten Rumpfmuskulatur.
Trotzdem solltest du regelmĂ€Ăig an deiner Atemtechnik feilen.
Durch gezielte AtemĂŒbungen trainierst du nicht das effiziente Atmen durch den Bauch, sondern schöpfst auch dein vollstĂ€ndiges Lungenvolumen aus.
Deine Leistung wird es dir danken:
Du wirst beim Laufen vermutlich nie wieder nach Luft ringen mĂŒssen.

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Was ist den hierzu vom Buch „Erfolgsfaktor Sauerstoff“ zu halten?
Man sollte die Nasenatmung anstreben.
Kommt mir komisch vor.
GruĂ
Paul
Hi Paul,
ich habe das Buch nicht gelesen, aber grundsĂ€tzlich bin ich kein Fan von âVorgabenâ bei der Atmung. Die Atmung kann zwar kontrolliert und bis zu einem Grad gesteuert werden. Aber das vegetative Nervensystem in dieser Hinsicht zu âmanipulierenâ, könnte auf die Dauer eines Laufs ziemlich anstrengend werden.
Daher sollte jeder auch so atmen, wie er bestmöglich damit klarkommt.
Bei lockeren DauerlÀufen atme ich grundsÀtzlich durch die Nase ein und durch den Mund wieder aus. Erst wenn es richtig anstrengend ist, muss ich die Luft durch den Mund einsaugen.
Beste GrĂŒĂe
Robin von runnersfinest.de